Es sind mittlerweile, glaubt man Wikipedia, weit mehr als 200 Filme gedreht worden (Ich war zu faul zum Zählen), die sich auf mehr oder weniger gelungene Art und Weise mit dem Vampirmythos beschäftigt haben. Auf Grund dieser unvorstellbaren Anzahl scheint es wenig sinnvoll eine umfassende Darstellung all dieser Beiträge liefern zu wollen, wenn es um die Frage geht, wie sich das Bild des Vampirs im Lauf des Films verändert hat. Nicht zu letzt verbietet sich dies aus der Prämisse heraus, dass viele Filme zum Thema von solch schlechter Qualität sind, dass sich eine intensivere Beschäftigung mit diesen schlicht und ergreifend nicht lohnt. Im Folgenden wird es nun also, in mehr oder weniger chronologischer Reihenfolge, um die Geschichte des Vampirs im Spielfilm vom Anbeginn des Films bis zum heutigen Tage gehen: Wie hat sich das Bild des Vampirs im Lauf der Zeit gewandelt? Welche Elemente des Mythos sind mit der Zeit dazugekommen, welche verloren gegangen?
Bevor wir nun jedoch zum Medium Film kommen, müssen wir ein weiteres Mal auf Bram Stoker's stilprägenden Roman „Dracula“ zu sprechen kommen. Stoker war es nämlich, welcher eine Vielzahl der für uns gültigen Elemente des Mythos in das Bewusstsein weiter Teile der Gesellschaften gerückt hat. Im Einzelnen wären hier die Vorstellung zu nennen, dass der Vampir kein Spiegelbild hat, dass er eines anderen Platzes nur mit Einladung betreten kann, dass er „allergisch“ gegen das Sonnenlicht, Knoblauch und das Kreuz reagiert, dass er der Herr über die Natur ist, dass er sich in Rauch und Tiere verwandeln kann. Auch die osteuropäische Herkunft des Vampirs wird von Stoker das erste mal ventiliert, in dem er seinen Dracula in der historischen Figur des Vlad Ţepeş anlegt. Stokers Schauerroman, entstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert, begründete somit den Mythos des Vampirs auf entscheidende Art und Weise mit. Die folgenden Ausführungen werden zeigen, dass diese Rolle in den folgenden knapp hundert Jahren vor allem vom Film, übernommen wurde.
Bild 1: Max Schreck als Graf Orlok/Nosferatu, Bild 2: Bela Lugosi als Graf Dracula
Man schrieb das Jahr 1922 als der Vampir-Film mit Friedrich Wilhelm Murnaus expressionistischen „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (Deutschland, 1922) seinen ersten Höhepunkt erreichte und mit diesem Film das Genre des Horrorfilms mitbegründete. Es dürfte allgemein bekannt sein, dass „Nosferatu zwar explizit auf Stokers Fiktion aufbaut, dies jedoch nicht offen durch die Verwendung der eigentlichen Orte und Namen zeigen durfte, da Murnau die nötigen Rechte am Roman nicht zu eigen waren. Diese Rechte-Verletzung äußerte sich letztendlich in einem andauernden gerichtlichen Streit zwischen Murnau und den Erben Stokers, welche dazu führten, dass diverse Kopien des Films vernichtet wurden. Mittlerweile kursieren verschiedene Versionen dieses cineastischen Meilensteins. Erst im letzten Jahr kam eine im Auftrag der Friedrich Murnau – Stiftung restaurierte Fassung des Klassikers auf den deutschen DVD-Markt (Und damit ist dies gleichzeitig die erste DVD mit der neu eingespielten Musik von Hans Erdmann).
Murnaus Vampir, Graf Orlok, ist das Böse, der Dämon in Reinkultur. Dies wird allein schon durch das reine Äußere des Vampirs deutlich: Spitze Ohren, lange Fingernägel, das Gesicht dem einer Ratte ähnlich. Wir werden sehen, dass sich Murnaus Vampir somit entscheidend von den Vampiren absetzt, wie sie in den nachfolgenden Produktionen gezeigt worden sind, aber dazu später mehr. Die Darstellung des Graf Orlok durch Max Schreck gilt zu Recht als eine der beeindruckensten Verkörperungen eines Vampirs in der Film-Geschichte überhaupt. Es würde an dieser Stelle einer unerhörten Anmaßung gleichkommen das Werk Murnaus mit wenigen Worten umfassend darstellen zu können. Es sei an dieser Stelle jedem empfohlen sich wenigstens einmal die Zeit und die Ruhe zu nehmen diesen Stummfilm auf sich wirken zu lassen. Nichts desto trotz, einige wenige Worte sollen in diesem Zusammenhang dann doch noch verloren werden: Auf Grund der Tatsache, dass „Nosferatu“ ein Stummfilm ist, muss sich der Film auf die Macht seiner Bilder im Zusammenspiel mit der musikalischen Untermalung verlassen. Und dies ist Murnau und vor allem Max Schreck so fantastisch gelungen, dass es eine wahre Freude ist. Eine nicht unwesentliche Bedeutung kommt auch den verschiedenen Versionen zu, welche von dem Film existieren. Neben der Schwarz-Weißen Version gibt es Kopien, welche koloriert worden sind. In diesen sind dann beispielsweise die Szenen bei Tag in Gelb, die Szenen bei Nacht in Blau gehalten. Dies entbehrt nicht einer gewissen Logik, da sämtliche Szenen des Films bei Tag gedreht worden. Die kolorierte Fassung stopft somit ein vorhandenes Loch in der Logik, da es in der schwarz-weißen Version nur schwer erklärlich ist, warum sich der Vampir augenscheinlich bei Tag bewegen kann.
Verlassen wir an dieser Stelle nun das erste Mal die temporäre Chronologie, und wenden uns zwei weiteren Filmen zu, die sich zum Einen natürlich mit dem Thema Vampir, aber eben vor allem mit „Nosferatu“ beschäftigen. Ich habe im vorigen bereits erwähnt, dass Murnaus Film von 1922 im Laufe der Zeit zu einem wahren Klassiker geworden ist. 1979 erschien mit „Nosferatu – Phantom der Nacht“ (Deutschland 1979) ein Remake des Originals unter der Regie von Werner Herzog. Die Hauptrolle wurde von Klaus Kinski verkörpert. Herzog übernahm viele Einstellungen Murnaus, und vor allem hinsichtlich der Frage nach der Veränderung des Vampirmythos kann konzediert werden, dass dieser Film eine nette Hommage an das große Original darstellt, mehr aber nicht. Nichts desto trotz ist es bezeichnend, dass es durchaus Personen gibt, die ausschließlich diese Version kennen, nicht aber den Ursprungsfilm von Murnau. In den Jahrzehnten seit der Interpretation des Vampirs Graf Orlok durch Max Schreck gab es immer wieder Spekulationen und Geschichten, dass Schreck vielleicht gar ein echter Vampir gewesen sei. Unnötig zu bemerken, dass dies natürlich absoluter nonsens ist, gleichzeitig ist es aber auch Beleg dafür, wie überzeugend und glaubhaft Schreck den Vampir schauspielerisch verkörpert hat. Der Film „Shadow of the Vampire“ (USA 2000) hat dieses Märchen aufgegriffen und stellt somit die zweite reine Hommage an „Nosferatu“ da. Dieser Streifen unter der Regie von E. Elias Merhige spielt zur Zeit der Dreharbeiten von „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ und geht eben genau von der im vorigen ventilierten Prämisse aus: Max Schreck sei ein echter Vampir, den Murnau mit dem Versprechen, dass dieser am Ende der Dreharbeiten die Hauptdarstellerin verköstigen dürfe, überzeugen konnte in seinem Film mit zuspielen. Der ganze Film ist nicht wirklich der Rede wert. Was ihn interessant macht, ist sein Ansatz und das Spiel seiner beiden Hauptdarsteller. John Malkovich als Murnau und vor allem Willem Dafoe als Max Schreck machen durchaus Spaß. Und der deutsche Zuschauer muss vor allem dann schmunzeln, wenn die Insel Helgoland in tiefste Wälder getaucht wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Vampir-Filmen tut dieses kleine Projekt jedoch niemanden wirklich weh, und bleibt eine alles im allem liebevoll gemachte Hommage, die Schwächen des Films seien an dieser Stelle nicht bestritten, an Murnaus Klassiker.
Begeben wir uns nun aber wieder im Folgenden in den Fluss der Zeit und nähern uns der ersten autorisierten Film-Version von Bram Stokers Dracula. „Dracula“ (USA 1930) von Tod Browning nimmt auf das gleichnamige Bühnenstück aus dem Jahr 1927 Bezug. Wie bereits erwähnt, ist dies die erste Verfilmung, welche die Orte und Namen aus dem Roman von Stoker verwenden durfte. Bela Lugosi, auch bekannt aus „White Zombie“, kam es zu den Grafen Dracula zu verkörpern. Auch seine Darstellung gilt unter den Cineasten als Meilenstein in der Verkörperung des berühmten Grafen. Im direkten Vergleich zu „Nosferatu“ werden in der Darstellung des Vampirs entscheidende Unterschiede deutlich da. Während Murnaus Vampir der Inbegriff de Dämonen ist, stellt der Dracula von Bela Lugosi die Geburtsstunde des cineastischen „Gentleman-Vampirs“ in Cape und Umhang da. Folgerichtig spielt Lugosi den Vampir mit einer gewissen Eleganz und versteckt die Maske des Bösen hinter einer gewissen Erhabenheit. Insgesamt gesehen ist der Dracula von 1930 jedoch bei weitem nicht so relevant wie sein großer Vorgänger. Dies liegt wohl nicht zu letzt an der Tatsache, dass 1930 einige Dinge auf Grund existierender moralischer Konventionen noch nicht zu realisieren waren. Es fehlt beispielsweise die sexuelle Komponente aus Stokers Roman, so dass dieser Film hinsichtlich der Perspektive einer originalgetreuen Adaption von Stokers Roman als nicht überzeugend bezeichnet werden muss, was jedoch keinesfalls implizieren soll, dass es sich an dieser Stelle um einen schlechten Film halt. Was von diesem Film bleibt ist die Darstellung Lugosis und die Einführung des „Gentleman-Vampirs“ in Umhang. Nicht verschwiegen werden soll an dieser Stelle, dass es auch zu diesem Film mehrere Nachfolger, sowie ebenfalls ein Remake gleichen Titels gegeben hat, „Dracula“ (USA, 1979) mit Frank Langella in der Hautrolle. Zu diesen Filmen jedoch weitere Worte zu verlieren scheint mir jedoch eher unnötig.
Bild 3: Christopher Lee als Graf Dracula; Bild 4: Ferdy Maine als Graf von Krolock
Wir bleiben im Folgenden bei Filmen, welchen den Titel „Dracula“ tragen. Der englische Film „Dracula“ (Großbritannien, 1958) stellt einen weiteren, nicht unwesentlichen Abschnitt, in der cineastischen Rezeption des Vampirmythos da. Dies war nicht zuletzt Folge der neuen technischen Möglichkeiten geschuldet, da sich der Graf nun in seiner ganzen Schönheit und in Farbe präsentieren konnte. Dracula war der Auftakt der englischen Hammer-Produktionen,welche sich in der Folgezeit durch ihre zahlreichen Horror-Filme hervor taten. Unter der Regie von Terence Fisher liefern sich Christopher Lee als Dracula und Peter Cushing als Van Helsing das bekannte Katz und Maus-Spiel. Relativ zügig inszeniert, kann dieser Beitrag vor allem durch seine liebevolle Inszenierung und Ausstattung überzeugen. Kuriosum am Rande: Im englischen Original wird während der Geschichte niemals Osteuropa verlassen, die deutsche Synchronisation ändert dies. Wesentlich interessanter ist jedoch das in diesem Film tradierte Bild des Mythos. Zwar zeigt sich der Graf auch in diesem Fall als Vampir in Mantel und Umhang. Dennoch, es finden nicht unwesentliche Akzentverschiebungen statt: Christopher Lees Interpretation des Vampirs ist jugendlich und dynamisch, dabei durchaus monströs. Optisch manifestiert sich dies jetzt durch den offensichtlichen Einsatz der Vampir-Typischen Fangzähne. Ja, man liest richtig: Dies war bis dato in dieser Deutlichkeit noch nicht Bestandteil der filmischen Vampir-Darstellung. Nicht weniger wichtig: Im Dracula von 1958 fließt nun auch Blut, und dieses ist – dem Farbfilm sei Dank – nun auch noch rot. Des weiteren tritt auch die erotische Komponente ,die bei dem Vampirismus latent mitschwingt, stärker in den Vordergrund. Zwar noch dezent, aber für die damalige gesellschaftliche Situation mit Sicherheit explizit genug.
Die Vampir-Streifen von Hammer waren somit in vielerlei Hinsicht von einflussreicher Bedeutung für das Vampir-Bild im Film. Gerade der „Dracula“ von 1958 war sehr erfolgreich, so dass in den nachfolgenden Jahren weitere Filme mit Christopher Lee in der Hauptrolle des Grafen folgen sollten: Blut für Dracula (GB 1965), Draculas Rückkehr (GB 1968), Das Blut von Dracula (GB 1969), Dracula - Nächte des Entsetzens (GB, 1970), Dracula jagt Minimädchen (GB, 1972), Dracula braucht frisches Blut (GB, 1973). Es galt, und gilt nun mal für alle Zeiten: Man muss die Kuh melken, solange sie noch Milch gibt. Anders ist diese Flut von Filmen wahrlich nicht zu erklären, deren Titel analog zu den Inhalten des Films immer dämlicher werden. Aber verlassen wir nun im Folgenden die Ära der Hammer-Filme und wenden uns in einem lockerem Einschub einem der großen Klassiker des Vampir-Films zu, der weniger Horror-Film, als Parodie ist. Ich spreche natürlich von Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ (Großbritannien 1967), welcher im Original auf den „unwesentlich“ längeren Titel „The Fearless Vampire Killers or Pardon Me, But Your Teeth Are in My Neck“ hört. Polanski parodiert mit diesem Beitrag den Vampirmythos an sich, indem er die gängigen Vorstellungen, welche die Allgemeinheit über die Vampire besitzt, auf die Schippe nimmt. Die Geschichte um den Professor Abronsius (Jack MacGowran), welcher sich zusammen mit seinem Assistenten Alfred (Roman Polanski) auf die Suche nach Vampiren begibt, und schließlich in Transylvannien findet, ist mit Sicherheit ebenso bekannt wie Kult. Dies gilt genauso für den Graf von Krolock, sowieso seinem augenscheinlich homosexuellen Sohn. Die Verfolgungsjagd im Schloss ist einfach großartig. Weniger großartig ist die verhunzte deutsche Synchronisation: In einer Szene parodiert Polanski die christliche Grundannahme, dass alle Vampire per se auf Kreuze gereizt reagieren. Dummerweise treffen unsere Helden auf einen Vampir jüdischen Glaubens, der ihnen dann auch klar macht, dass sie mit ihrem Kruzifix gegen ihn nichts ausrichten werden können, da er Jude sei. In der deutschen Synchronisation wird daraus ein lahmes: „Das wirkt nur bei den alten Vampiren“ Fazit: "Tanz der Vampire" ist ein gelungene Parodie, auf den gängigen Vampirmythos, der auch nach nunmehr 40 Jahren nichts von seinem Reiz verloren hat. Das gleichnamige Musical, das mittlerweile in Berlin gastiert, unterstreicht dies nur noch einmal umso deutlicher.
Machen wir an dieser Stelle nun einmal einen kurzen Schnitt und rekapitulieren das bisher erörterte Vampir-Bild. Ausgehend von Stokers Dracula, der Maßstäbe für den Mythos gelegt hat, haben wir uns über Murnaus Stummfilm-Klassiker dem ersten eigentlichen Stoker-Verfilmung „Dracula“ von 1930 genähert. Dabei war festzustellen, dass sich der Dämon im Film von Murnau zu einem Vampir mit „guten Manieren“ gewandelt hat. Christopher Lee hat anschließend in den 50er und 60er Jahren einen Vampir verkörpert der zwar weitaus monströser daherkam als die Interpretation von Lugosi, aber immer noch von einer gewissen Eleganz gekennzeichnet war. Das Bild des eleganten Grafen findet sich schließlich auch bei Roman Polanski, der in seinem „Tanz der Vampire“ auf leichtfüßige Art und Weise den Vampir-Film der 30er bis 60er Jahre auf die Schippe genommen hat.
Nun, die folgenden Ausführungen erheben natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und aus diesem Grund sehe ich mich auch nicht gezwungen, auf sämtliche Tendenzen des Vampir-Films einzugehen. Möchte man jedoch die 70er Jahre nicht mehr oder weniger unkommentiert ausklammern, dann ist es unumgänglich zumindest in einigen Worten auf die Exploitation-Welle einzugehen, die auch den Vampir-Film gerade in dieser Dekade „heimgesucht“ hat. Es ist an dieser Stelle schon einiges über den Zusammenhang von Eros und Tod, welcher den Vampir-Mythos umgibt, geschrieben wurde. In den 70er Jahren wurde dies jedoch unzweifelhaft auf ein neues Niveau gehoben. Der Vampirmythos wurde ohne Zweifel im Sinne des Exploitation-Movie ausgeschlachtet und wiederverwertet. Um es auf eine einfache Formel zu bringen: „Sex und Blut“ belebt das Geschäft. Exemplarisch sei an dieser stelle auf die folgenden drei Hammer-Produktionen verwiesen, die auf die "klangvollen" Namen „Gruft der Vampire“ (GB 1970), Nur Vampire küssen blutig (GB 1971), Draculas Hexenjagd (GB 1971) hören, und auch unter der Bezeichnung „Karnstein-Triologie“ bekannt ist. Auf Grund der Tatsache, dass ich keinen der im Vorigen genannten Filme gesehen habe, und ich mich somit mit einer Beurteilung zurückhalten werde. Wobei, die Ausschnitte die ich von diesen Filmen gesehen habe sagen eigentlich auch alles..„Blacula“ (USA 972) hingegen ist ein bekannter Vertreter des sogenannten Blaxploitation-Movie, welcher ebenfalls in den 70er Jahren eine „Welle des Erfolgs“ durchlief. William Marshall ist somit einer der ersten farbigen Vampiren, die der Film zu bieten hatte, und soll deswegen an dieser Stelle durchaus Erwähnung finden.
Der Exploitation-Film zeichnete sich jedoch, wie der Name schon sagt, nicht dadurch aus, den Vampir-Mythos entscheidend weiterzuentwickeln, sondern griff schon bestehende Bilder und Motive auf um sie für seine Zwecke zu benutzen. Im Prinzip blieb somit das Bild des "Vampirs im Umhang" mehr oder weniger erhalten. Es gab nur wenige Ansätze, die sich an Murnaus Version des reinen Dämons orientierten, und die hatten Schwierigkeiten sich durchzusetzen. Ein Beispiel wäre an dieser Stelle der Film „Brennen muss Salem“ (USA 1979), in dem sich die Darstellung des Meister-Vampirs an Murnaus Nosferatu anlehnt. An späterer Stelle wird noch einmal auf die Vampir-Darstellung aus „I am Legend“ zurückgegriffen werden. Chronologisch könnte dies auch an dieser Stelle geschehen, aber thematisch wird es an späterer Stelle besser passen, wie gezeigt werden wird. Machen wir nun einen Sprung in die 90er Jahre, denn aus den 80er Jahren fällt mir spontan kein Film ein, der es wert wäre an dieser Stelle Erwähnung zu finden.
Bild 5: Gary Oldman als Graf Dracula, Bild 6: Tom Cruise als Vampir Lestat
1992 erweckte Francis Ford Coppola mit seinem Vampir-Film „Bram Stoker's Dracula“ (USA 1992) das Genre zu neuem Leben. In meiner Meinung einer der besten Vampir-Filme überhaupt, ist dieser Film irgendwie auch die Verfilmung, die der Intention des Original-Roman am nächsten kommt, obwohl sich die Film-Adaption in wesentlichen Teilen von der Roman Vorlage unterscheidet. Für diesen Film ist auf diesem Blog bereits eine ausführliche Rezension vorhanden, so dass ich in diesem Fall auf weitreichende Ausführungen verzichten kann. Wie dem auch sei: Coppola schuf mit diesem Film eine Umsetzung des Vampir-Mythos, wie sie opulenter bis dato nicht zu sehen war. Vor allem der Zusammenhang von Eros und Tod wird in diesem Film thematisiert, dazu rückt die Person des Dracula in den Vordergrund der Geschichte. In dieser Verfilmung ist Dracula in seiner Persönlichkeit ambivalent angelegt: Auf der einen Seite das Monster (Visuell verdeutlicht durch das Greisenhafte und bösartige Äußere, sowie dem Wolf), als auch auf der anderen Seite das „menschliche Wesen“ mit dem man Mitleid haben kann (Verkörpert durch den Edelmann). Coppola erreicht diese Ambivalenz durch das Hinzudichten einer Liebes-Tragödie, wo im Roman keine ist, aber dies funktioniert im Endresultat ausgezeichnet. Gary Oldman verkörpert in diesem Fall Dracula, und meiner Meinung nach braucht er sich nicht vor seinen großen Vorbildern zu verstecken.
Bereits 1976 schrieb Anne Rice ihren Roman „Gespräch mit einem Vampir“, welcher schließlich unter dem Titel „Interview mit einem Vampir“ (USA 1994) unter der Regie von Neil Jordan verfilmt wurde. Der Film spielt in den Staaten im 18. Jahrhundert wo der charismatische Vampir Lestat (Tom Cruise), dem verzweifelten Louis (Brad Pitt) das Angebot macht, ihn ebenfalls zum Vampir zu machen. Dieser Film erweitert den Horizont des Vampir-Films um eine interessante Komponente. Dieser Film dreht sich nämlich nicht um die Jagd nach einem Vampir, sondern um das Leben eines Vampirs und der Problematik unsterblich zu sein, sprich dem „Fluch der Zeit“ zu unterliegen. Am deutlichsten manifestiert sich dies schlussendlich in der zehnjährigen Claudia (Kirsten Dunst), die von Lestat ebenfalls zum Vampir gemacht wird, und fortan mit den Beiden zusammen lebt. Ihr Geist, der sich stetig weiterentwickelt, bleibt fortan in dem Körper eines Kindes gefangen. Diese beiden Beiträge sind quasi die letzten Beispiele für die ernsthafte Beschäftigung mit dem Vampirmythos. In der Nachfolge werden vermehrt Produktionen das Licht der Welt erblicken, welche den Vampir als Mittel zum Zweck nutzen, und somit nicht fähig sind dem Spektrum des Mythos entscheidende Impulse zu verleihen. Kommen wir nun direkt zu einem ersten Vertreter, der die Figur des Vampirs für seine Mittel nutzt.
Bild 7: Kate Beckinsale als Vampir-Amazone Selene; Bild 8: Dominic Purcell als Drake
Robert Rodriguez „From Dusk Till Dawn“ (USA 1996) genießt unter Fans Kult-Status. Die Reise der Brüder Gecko (George Clooney und Quentin Tarantino) in einen Strip-Laden in Mexiko, welcher direkt der Hölle zu entstammen scheint, ist ein einziges Gemetzel mit coolen Sprüchen, und in der Folge in Deutschland indiziert worden. Man sollte es wirklich tunlichst vermeiden sich den Schrott anzuschauen, der alle paar Monate bei uns im TV geschnitten über den Schirm geistert, sondern sich an die ungeschnittene Version halten. Was wir in diesem Film über Vampire lernen, ist nichts Neues: Allergisch gegen Kruzifixe, Weihwasser und Licht. Was uns von diesem Film bleibt ist das Folgende: Salma Hayek, Tito & Tarantula, Splatter und coole Sprüche. That's it – Nicht Mehr und nicht Weniger. Alt-Meister John Carpenter war es schließlich der uns in „John Carpenter's Vampire“ (USA 1998) mit einem Genre-Mix aus Vampir-Film und Western „erfreute“. Der Vampirjäger Jack Crow (James Woods) macht sich in den USA mit seinem Team im Auftrag des Vatikans Jagd auf Vampire und liefert sich bald ein mäßig spannendes Duell mit Vampir-Fürst Velek (Thomas Ian Griffith). Während der Genre-Mix aus Western und Vampir-Film gar nicht mal so uninteressant ist, ist der Film als solcher eher mau und bietet eher wenig Erfrischendes. Auch dieser Film zeichnet sich durch einen hohen Gewalt-Faktor aus, so dass auch dieser Streifen in Deutschland indiziert ist.
Mit „Blade“ (USA, 1998) setzt sich die Serie der Filme, welche den Vampir zur bloßen Schablone verkommen lassen, nahtlos fort. Wesley Snipes darf sich in durchgesytlten Action-Sequenzen durch die Story prügeln, und seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen: Vampire jagen, finden, und umbringen. Hat der erste Teil wenigstens noch ein bisschen Reiz, so darf dies für seine Nachfolger „Blade II“ (USA 2002) und „Blade Trinity “ (USA 2004) nicht behauptet werden. Im dritten Teil taucht auch Dracula wieder auf, nun unter dem Namen „Drake“. Im Jahr 2004 ist der große Graf Dracula somit endgültig zu einem eindimensionalen Produkt der Popkultur der Genration MTV verkommen. So auch in Wes Cravens Beitrag „Dracula 2000“ (USA 2000), indem die Geschichte des Grafen in die Gegenwart transportiert wurde. Immerhin versucht dieser Film den Mythos im Ansatz zu erweitern, in dem er ventiliert, dass Dracula Judas sei, der Christi verraten hat, und von Gott bestraft wurde. Na,ja!!! Wer allerdings denkt, dass damit der absolute Tiefpunkt erreicht sei, der hat unter Garantie „Van Helsing“ (USA 2004) von Stephen Sommers noch nicht gesehen.Ich sage es an dieser Stelle einfach mal wie es ist: Der ganze Film ist schlecht, lächerlich, dämlich und damit sollen auch keine weiteren Worte an dieses Machwerk verschwendet werden.
Ein Jahr vor diesem Film kam mit „Underworld“ (USA 2003) ein weiterer Film mit den "netten Blutsaugern von nebenan" in die Kinos (Rezension). Dieser thematisiert den Konflikt zwischen Vampiren und Werwölfen, der seit hunderten von Jahren zwischen beiden Parteien bis in die Gegenwart ausgetragen wird. Kate Beckinsale darf als hübsche Vampirin Selene und „Todeshändlerin“ in den Krieg gegen eben diese Werwölfe ziehen. Der Film als solcher war an den Kassen ein Überraschungserfolg und setzt konsequent auf die durchgestylte Matrix-Gothic Optik, die in den letzten Jahren „en Vogue“ war. Von daher war es wenig überraschend, dass auf diesen Erfolg der Nachfolger „Underworld-Evolution“ (USA 2004) folgte, der allerdings eher ein Reinfall war, und sich vor allem durch eine wirre Story auszeichnete. Lichtblick waren jedoch ohne Zweifel die ersten Minuten, in denen der Zuschauer in einer Rückblende zurück ins Mittelalter versetzt wurde. Die Szenerie mit den Vampiren in ihren Schimmernden Rüstungen, ihren stahlblauen Augen und der dazugehörigen Schneelandschaft, die ebenfalls in ein düsteres blau getaucht war, hatte irgendwie etwas. In diesem Jahr folgte der Film „I am Legend“ (USA 2008) mit Will Smith in der Hauptrolle. Der Film basiert auf dem Roman „Ich bin Legende“ von Richard Matheson, der in seinem Roman ein Element des Vampir-Mythos aufgreift, welches sich auch schon bei Stoker finden lässt. Der Vampir als Krankheit, als Seuche. Die Kreaturen in Mathsons Roman sind degeneriert und können als „krank“ bezeichnet werden. Dieses Motiv ist bereits in der 1971 erschienenen Verfilmung „Der Omega-Mann“ (USA, 1971) thematisiert worden, konnte sich aber nicht gegen das damals vorherrschende Klischee des "Vampirs in Umhang" durchsetzen. Mit der Neuverfilmung im Jahr 2008 ist dies ein weiteres mal thematisiert worden, ohne allerdings in Bezug auf den Film im Vordergrund zu stehen.
Somit bin ich nun am Ende meiner Ausführungen angelangt. Ich bin der Meinung, dass die Veränderung des Mythos um den Vampir im Laufe der Zeit deutlich geworden ist. Die Grundlagen für den Mythos wurden in den frühen Jahren gelegt. Im Laufe der Zeit wurde dieser nur noch kopiert, zitiert, und genutzt. Heute ist der Vampir im Film in den meisten Fällen ein durchgestylter Action-Held der Pop-Kultur, der in der Gegenwart angekommen ist. Die Filme sind mit der Zeit ganz sicher nicht besser geworden, es hat schon einen Grund warum ich gegen Ende immer mehr Filme mit immer weniger Worten abgehandelt habe. Exploitation gab es sozusagen nicht nur in den 70er Jahren. Um die Entwicklung auf den Punkt zu bringen: "Der Graf Dracula im Umhang" ist tot, es lebe "sexy Selene im Latexkostüm". Das kann man gut finden, oder auch nicht. Ich habe natürlich auch eine Meinung. Dazu nur soviel: Unter den Top 5 meiner persönlichen Vampir-Film Hitliste findet sich kein Titel, der jüngeren Datums ist, als 1994.
Quellennachweise:
Bild 1: Scrennshot aus "Nosferatu - Symphonie des Grauens" © by Jofa-Atelier Berlin-Johannisthal, Prana-Film GmbH, UFA.
Bild 2: Scrennshot aus "Dracula" © by Universal Pictures.
Bild 3: Scrennshot aus "Dracula" © by Hammer Film Productions.
Bild 4: Scrennshot aus "Tanz der Vampire" © by Cadre Films, Filmways Pictures, Warner Home Video.
Bild 5: Scrennshot aus "Bram Stoker's Dracula" © by American Zoetrope, Columbia Pictures Corporation, Osiris Films.
Bild 6: Scrennshot aus "Interview mit einem Vampir" © by Geffen Pictures, Warner Home Video.
Bild 7: Scrennshot aus "Underworld Evolution" © by Lakeshore Entertainment, Screen Gems, Sony Pictures.
Bild 8: Scrennshot aus "Blade Trinity" © by New Line Cinema, Shawn Danielle Productions Ltd., Marvel Enterprises, Amen Ra Films, Imaginary Forces, Warner Home Video.














7 Kommentare:
ich komm grade von der tvdame herüber. deine ausführungen sind sehr interessant und ich muss mich ihrer frage mal anschließen: deine persönliche top 5 ;)
Meine wäre:
1. nosferatu 1922
2. dracula 1958
3. coppolas dracula
4. interview mit einem vampir
5. die weisheit der krokodile
"Die Weiheit der Krokodile" ist mir sogar noch unbekannt, man soll es nicht gauben ;-) Ich hab den Film gerade mal gegoogelt... Ansonsten sind deine Top 5 imho verdammt stark, denn meine lauten wie Folgt:
5. Dracula (1958): Kurze Spielzeit, aber liebevolle Ausstattung und ein mehr als überzuegender Lee --> Der Film hat Charme
4. Interview mit einem Vampir: Allgemein als "Frauenfilm" tituliert, aber interessante Perspektive und Kirsten Dunst in ihrer ersten Rolle.
3. Tanz der Vampire: Polanskis Parodie, der darf nicht Fehlen.
2. Nosferatu: Warum der in der Top 5 ist, bedarf wohl keiner Erklärung ;-)
1. Bram Stoker's Dracula: Mein persönlicher Favorit. Warum das so ist, steht HiER
da haben wir ja doch fast den gleichen geschmack :) cool. dank dir für deine top 5 und der minus 5 bei der lady :)
Danke schön - es ist immer gut zu wissen, was filmversierte Menschen so mögen ;-)
1) So finster die Nacht
2) Twilight
3)Interview mit einem Vampir
4)Dracular 1958
5)Die Weisheit der Krokodile
Also das sind meine Top 5 der Vampir scene.
Meine allgemeinen Top fünf würden übrigens mit den selben drei Filmen anfangen.
Interessante Liste, aber mir persönlich würden da drin ein wenig die Klassiker fehlen... ;-)
Na ja für Klassiker bin ich nicht die richtige Generation.
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