Essay: Schindlers Liste

Als 1994 Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ in den Kinos zu sehen war, löste der Film , der von dem Industriellen und NSDAP-Mitglied Oskar Schindler erzählte, der in seiner Fabrik von 1939-1945 über 1000 Juden das Leben rettete, unbestritten mannigfaltige Reaktionen beim Publikum aus. Die Kontroversität mit der „Schindlers Liste“, der mittlerweile, dass muss an dieser Stelle völlig wertfrei konstatiert werden, im kollektiven Gedächtnis speziell der deutschen und amerikanischen Gesellschaft als einer der Filme über den Holocaust fest verankert ist, von der Öffentlichkeit rezipiert wird, ist auch vierzehn Jahre später ungebrochen. „Go see it“, mit diesen Worten forderte Bill Clinton, damaliger Präsident der USA, seine Landsleute auf in die Kinos zu strömen, während der damalige Bundespräsident Richard von Weizäcker das Kino wortlos verließ.[1] Der Gewinn von insgesamt sieben Oscars, unter anderem in den wichtigen Kategorien Bester Film und Beste Regie ist zweifellos nicht ausschließlich der Qualität des Films geschuldet, sondern eben auch als politisches Statement zu verstehen. Spielbergs „Schindlers Liste“ wurde fortan in Schulen gezeigt, zur Jugend-Bildung eingesetzt, als ein Film der in der Meinung seiner Befürworter für die gelungene und eindrückliche cineastische Visualisierung der nationalsozialistischen Greuel stünde und folglich einen lehrenden und aufrüttelnden Charakter in sich tragen würde. Doch stellt diese Sichtweise natürlich nur die eine Seite der sprichwörtlichen Medallie da: Die Kritiker hingegen sahen (und sehen) in Spielbergs Film eine Verharmlosung des Holocaust, der für hollywoodsche Zwecke zur emotionalen Manipulation des Zuschauers missbraucht wurde. Auf deutscher Seite sah man den Zeitpunkt gekommen mahnend den Zeigefinger zu heben und „Schindlers Liste“ als „seelische Schnellreinigung“ zu geißeln, die mit dem Erwerb einer Kinokarte, in dieser Allegorie als „bequemer Ablaßzettel“ verstanden, erkauft werden könne.[2]


Aus diesen wenigen und willkürlich ausgewählten Beispielen zur „offiziellen“ Rezeption des Films, lassen sich schon auf den ersten Blick das Ausmaß der Diskussion erkennen, welche unvermindert bis zum heutigen Tage von Teilen der Gesellschaft in Bezug auf „Schindlers Liste“ geführt wird. Und es in der Tat schon erstaunlich, welche Wellen dieser Film geschlagen hat, von einem Regisseur der sich bis dato vor allem mit gut gemachten Unterhaltungsfilmen einen Namen gemacht hat. Sollte es ausgerechnet dem Mann, der Adolf Hitler im dritten Teil der damaligen Indiana Jones Trilogie zur autogrammgebenden Witzfigur verkommen ließ und der anschließend die Dinosaurier zum Leben erweckte, tatsächlich gelungen sein, einen der wichtigsten Spielfilme über die Verbrechen des Nationalsozialismus zu drehen, quasi von „Jurassic Park“ nach Auschwitz? Nun, die Geschichte fällt ihre Urteile nur in den wenigsten Fällen auf eindeutige Art und Weise und deshalb scheint es mehr als angebracht diesem Film einer genaueren Betrachtung zu unterziehen, die auf die rigorose Schwarz-Weiß-Malerei der Befürworter und Kritiker zu Gunsten einer austarierten Perspektive verzichtet.


Bevor es aber um den Film an sich geht, soll an dieser Stelle ein weiteres mal die Rezeption von „Schindlers Liste“ thematisiert werden, aber diesmal nicht „von Oben“, sondern „von Unten“. Welche Meinungen lassen sich zu dem Film finden, wie wird er gesehen? Eine Methode, um auf diese Frage eine Antwort zu finden, ist einen Blick auf Online-Plattformen, wie die Rezension-Funktion von „Amazon“, oder der Kommentierungsfunktion von „Movie Pilot.de“ zu werfen, die einen ersten Querschnitt der verschiedenen Meinungen zu dem Film liefern können: So heißt es dort zum Beispiel in einer Kunden-Rezension: „[...]dieser Film ist Zeitgeschichte.“ [3] In einer weiteren Rezension ist die Einlassung zu finden: „Der Film, [...], ist in meinen Augen einer der besten und wichtigsten Filme, den man gesehen haben sollte, weil er eine Zeitepoche, die eine der Schlechtesten unserer deutschen Geschichte war, unglaublich authentisch darstellt.“ [4] Bei „Movie Pilot.de“ lassen sich die Kommentare „Hier sieht man eine Verfilmung, die der Wahrheit entspricht!“ und „Schindlers Liste ist die absolute Wahrheit über die brutale Vergangenheit der Nazis.“ [5] finden. Natürlich ist diese Auflistung äußerst manipulativ, weil selektiv und doch sind diesen ausgewählten Statements Gemeinsamkeiten inhärent, auf die ich an dieser Stelle abziele: Es ist von Authentizität die Rede, gar von Zeitgeschichte und Wahrheit – Attribute die den Film offensichtlich in die Nähe einer wie auch immer gearteten „historischen Wahrheit“ rücken sollen und in ihren Konnotationen mit den beiden Seiten der Meinungs-Medaille korrespondiert, die von mir im Vorigen thematisiert worden sind. Und doch ist die Frage nach der „historischen Korrektheit“ eine inhaltliche Sackgasse. Deshalb müssen alle Lobhudeleien den Film betreffend, die diesen Weg beschreiten, ins Nichts führen, gleichzeitig aber gilt dies auch für die Teile der Kritik an diesem Film, die diesen Aspekt bedienen. Diese wird zu somit zu einer Kritik ex negativo.


Nun mögen diese Ausführungen auf den ersten Blick ein wenig kryptisch erscheinen, doch auf den zweiten Blick wird sich das Bild ganz ohne Zweifel zu einem verständlichen Ganzen fügen. Deswegen soll an dieser Stelle zunächst ein Umweg beschritten werden, welcher einige wesentliche Aspekte der erkenntnisleitenden Theorie der Geschichtswissenschaft tangiert. Zur Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte der evangelische Theologe und Historiker Johann Martin Chaldenius das Prinzip des „Sehepunktes“, der für die heutige Geschichtswissenschaft von eminent wichtiger Bedeutung ist: „Der Sehepunkt ist der innerliche und äußerliche Zustand eines Zuschauers, in so ferne daraus eine gewisse und besondere Art, die vorkommenden Dinge anzuschauen und zu betrachten, fließet.“ [6] Das von Chladenius ventilierte Diktum trägt somit die Erkenntnis in sich, das der Mensch und damit der Historiker von seinem „innerlichen und äußerlichen Zustand“ abhängig ist, oder anders ausgedrückt: Seinem räumlichen und zeitlichen Umfeld. Der Historiker ist im modernen Verständnis eben nicht Objekt, sondern Subjekt. Diese Tatsache evoziert somit weitreichende Konsequenzen für das Verständnis, wie Geschichtswissenschaft funktioniert: Die weit verbreite Vorstellung, dass der Historiker ein genaues Abbild der vergangenen Ereignisse erarbeitet und das ist es nämlich, was mit dem Begriff der „historischen Wahrheit“ oder der Phrase „Es wird gezeigt, wie es wirklich war“ unterschwellig gemeint ist, ist somit obsolet. Geschichte ist nicht die genaue und hundertprozentige Rekonstruktion des Vergangenen, sondern subjektive und bewusste Konstruktion des Historikers, der von seinem Umfeld, siehe Chladenius, beeinflusst wird. Der Historiker kann nur versuchen durch die Kombination verschiedener Quellen ein möglichst objektives Bild der Geschichte zu entwerfen, doch für jede Quelle die er betrachtet, wird er hundert Andere nicht betrachten können. Für die ultimative „historische Wahrheit“ bräuchte es nicht weniger als die Erfindung der Zeitmaschine und mit dieser Erkenntnis soll sich nun wieder „Schindlers Liste“ zugewandt werden.


Was nämlich für den Historiker gilt, gilt natürlich auch für jeden Anderen, so eben auch für den Regisseur Steven Spielberg. Dank der im Vorigen erarbeiteten Grundsätze kann der Aspekt der „historischen Wahrheit“ bei der Beschäftigung mit dem Film zunächst den Hintergrund treten. Man muss kein Prophet sein um zu wissen, dass Spielberg „seinen“ Oskar Schindler in Wesen, Charakter und historischem Wirken stark vereinfacht hat, so spielt beispielsweise weder sein Leben vor dem Krieg, noch nach dem Krieg eine Rolle. All diese Vereinfachungen sind im Sinne künstlerischer Mittel ebenso legitim, wie die bewusste Auswahl der Quellen eines Historikers. Was letztendlich in der Beurteilung von „Schindlers Liste“ eine Rolle spielen muss, ist die Intention des Films, weniger die möglichst genaue Rekonstruktion historischer Details. Diese Prämisse ist jedoch nicht gleichbedeutend mit der Entbindung aus allen Pflichten, sondern trägt eine immense Verantwortung in sich. Viele Filme, die sich einer historischen Begebenheit annehmen, scheitern an genau diesen Erwartungen, sei es weil sie von Vornherein die falsche Perspektive wählen, wie die dilettantische und bedenkliche Heroen-Stilisierung des Barons Manfred von Richthofen in der „Der Rote Baron“, oder aber aus Gründen der letztendlichen fehlerbehafteten Umsetzung, die eine gut gemeinte Intention ins Gegenteil verkehren kann, wie jüngst im „Baader-Meinhof Komplex“ geschehen. .


Der am 28 April 1908 in Zwittau, welches damals noch zu Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörte, geborene Schindler war für große Teilen der Öffentlichkeit jahrzehntelang ein Unbekannter. Dies änderte sich erst mit Spielbergs Film, der die Personalie Schindler ins Bewusstsein großer Teile insbesondere der deutschen Gesellschaft rückte. Spielbergs Film rekurriert auf den 1982 erschienenen Roman „Schindler's Ark“ des australischen Autors Thomas Kenneally, der zu diesem dokumentarischen Roman zu Vorderst durch die Begegnung mit dem Holocaust-Überlebenden Leopold Pfefferberg inspiriert wurde und in der Folge Gespräche mit über 50 „Schindler-Juden“ führte, auf deren Erinnerungen dieser Roman basiert. [7] Das Buch wurde vor allem in den Vereinigten Staaten ein großer Erfolg und ebnete den Weg für den Film, aber auch für weitere Biographien anderer Überlebender Juden, die den Holocaust dank Schindler überlebt hatten und in der Folge auch in Deutschland veröffentlicht wurden. In diesem Zusammenhang ist vor allem auch die Lebensgeschichte von Stella Müller-Madej [8] zu nennen, um die es im weiteren Verlauf dieses Essays immer wieder gehen wird. „Fiktion“ oder „Historie“ ?, das ist eine der wesentlichen Fragen, die sich der Leser in Bezug auf das Buch von Kenneally immer wieder stellt, immerhin gewann der Autor 1982 für „Schindler's Ark“ den Booker-Prize in der Kategorie „Fiktion“. Diese Frage mit all ihren Problematiken soll an dieser Stelle nicht abschließend diskutiert wird, es steht jedoch völlig außer Frage, dass Kennealy Literat und nicht Historiker ist, so dass unter diesem Gesichtspunkt die Schindler-Biographie des amerikanischen Historikers David M. Crowe genannt werden soll, der sich im Zuge seiner Forschungen intensiv mit Oskar Schindler und dessen Rolle im zweiten Weltkrieg beschäftigt hat.[9] Aus diesen kurzen Ausführungen wird deutlich, dass sich der geneigte Leser einer Fülle von Informations-Quellen bedienen kann, um sich dem Menschen Oskar Schindler zu nähern. Ganz gewiss, ein absolut vollständiges und widerspruchsfreies Bild wird sich nicht generieren lassen, aber mit diesem Mythos wurde ja bereits in den vorangegangen Ausführungen gebrochen.







Abb. 1: Emaillefabrik von Schindler im Film, Abb. 2: Die Fabrik 2002


1993 begannen schließlich die Dreharbeiten zu „Schindlers Liste“, der schnell zu einer Herzensangelegenheit von Steven Spielberg wurde: „Ich glaube, ich habe mich sonst nie so rasch und eindeutig für einen Stoff erschienen.“ [10] Die Besetzung von Liam Neeson als Oskar Schindler, Ben Kingsley als sein Gehilfe Itzak Stern und Ralph Fiennes als Amon Göth kann ohne Weiteres als gelungen bezeichnet werden. Die Dreharbeiten fanden an mehreren Originalschauplätzen statt, vor allem natürlich in Polen (Vergleiche exemplarisch die beiden Abbildungen die Schindlers Fabrik in Krakau zeigen). Besonders kontrovers wurde Spielbergs Anliegen diskutiert, direkt in Auschwitz-Birkenau drehen zu wollen, eine vorläufige Genehmigung dazu wurde später nach zahlreichen Protesten wieder zurückgenommen. Diese Entscheidung mag moralisch durchaus verständlich sein, doch letztlich ist auch die Frage zu stellen, ob die heutige „Sightseeing-Praxis“ in den ehemaligen Stammlager Auschwitz und dem Vernichtungslager Birkenau nicht ebenso zu hinterfragen ist, wenn ganze Busladungen von Touristen vor die Tore des ehemaligen Vernichtungs-Lagers gekarrt werden, aus denen Gruppen von lärmenden und wild fotografierenden Japanern springen, um es mal polemisch überspitzt, aber keinesfalls faktisch falsch zu formulieren. Die Wahl der Originalschauplätze ist, wie vor allem auch das bewusst von Spielberg eingesetzte Stilmittel des Drehens in Schwarz-Weiß, ohne Zweifel in dem Sinne zu verstehen, als das mit diesen Mittel Authentizität geschaffen werden soll. Des Weiteren hat Spielberg immer wieder „kurze Episoden“ in den Film eingebracht, die den Eindruck des Authentischen noch verschärfen. Exemplarisch sei die Szene erwähnt, in der eine Gruppe von Juden in Krakau gezwungen wird, eine Straße mit jüdischen Grabsteinen zu pflastern, eine perfide Demütigung durch die Nationalsozialisten, die sich wie im Film gezeigt, abgespielt hat. Mit diesen Mitteln suggeriert der Regisseur, dass „Schindlers Liste“ die Abbildung einer historischen Wahrheit gleichkommen würde und auch wenn mittlerweile klar sein sollte, das dieser Versuch immer nur in einer Annäherung resultieren kann, ist dieses Anliegen ohne Zweifel mit gewissen Problemen behaftet.


Eines der größten Probleme, vom moralischem Standpunkt aus gesehen, ist dabei ganz sicher die Umsetzung des Holocaust in „Schindlers Liste“. Freilich, der Film ist zu Vorderst kein Film über den Holocaust, weder thematisiert er die Ursachen des Selbigen, noch kann er dem Ausmaß der nationalsozialistischen Greuel in seinem gesamten Ausmaße gerecht werden. Den Versuch einer Erklärung kann der Film auch gar nicht leisten, in der Meinung einiger Intellektueller wird der Holocaust für immer unerklärlich bleiben. Eine Aussage, die auf Grund des schieren Ausmaßes der Verbrechen zwar verständlich ist, für den Historiker dennoch unbefriedigend sein muss. Die Problematik, die sich nun in Bezug auf diesen Film stellt, ist die nach der Rezeption des Films, welche sich aus der Inszenierung von Spielberg speist. Es besteht ein massives Missverhältnis von Spielbergs Intention möglichst genau zu rekonstruieren was die Geschehnisse der damaligen Zeit angeht (Vor allem versinnbildlicht durch die Schwarz-Weiß-Färbung der Bilder) und der selbst auferlegten Zurückhaltung in der letztendlichen Visualisierung des Holocaust. Wird somit nicht ein verharmlosendes Bild des Holocaust gezeichnet? Eine Interpretation die von Spielberg mit Sicherheit nicht intendiert worden ist, die aber bei Kenntnis des Films ohne Zweifel getroffen werden kann. Die Juden, die im Film im KZ Plaszow interniert sind, sehen einigermaßen wohlgenährt aus, was der Realität diametral gegenüber steht. Nun mag man die Frage stellen, ob es moralisch vertretbar gewesen wäre in einem Spielfilm völlig ausgemergelte Menschen abzufilmen. Doch diese Frage ist ohne Weiteres ins Gegenteil zu verkehren: Ist es moralisch vertretbar den Holocaust in diesem Maße zu „verharmlosen“? Wenn ich in diesem Zusammenhang an Statements, wie das im vorigen zitierte „Schindlers Liste ist die absolute Wahrheit über die brutale Vergangenheit der Nazis.“ denke, bin ich geneigt diese Frage zu negieren, auch wenn ich Spielbergs Zurückhaltung verständlich finde.


Vielleicht stößt das Medium Film an dieser Stelle auch an Grenzen, an die ein schriftlicher Beitrag in dieser Form nicht gebunden ist, der in seiner Sprache und Schilderung dann oftmals eben eindrücklicher wirkt, als es ein Spielfilm sein kann. Um diesen Aspekt weiter auszuführen soll an dieser Stelle einer der am meistdiskutierten Szenen in „Schindlers Liste“, nämlich die Ankunft der weiblichen „Schindler-Juden“ in Birkenau mit den Schilderungen von Stella Müller-Madej kontrastiert werden. Während Spielberg im Film den Frauen die Haare nur stutzen lässt, liest sich dies in der Autobiographie Müller-Madejs wie folgt: „Sie packten Else bei den Haaren, wieherten dabei vor Vergnügen und zwangen sie, auf einem Schemel zu knien. Man began ihren Kopf und jede andere Stelle, an der Haare wachsen, kahlzuscheren. [...] Jetzt war ich dran. Die Prozedur tat entsetzlich weh, denn die Haare wurden einem nicht wegrasiert, sondern ausgerissen. Ich konnte meinen Tränen nicht zurückhalten.“ [11] Daran anschließend folgt sowohl im Buch als auch im Film die Szene im Duschraum, als tatsächlich Wasser aus den Brausen kommt. Doch wo die Situation in der Schilderung Stellas eindrücklich ist, reduziert Spielberg seine Darstellung zu Gunsten der Zuschauer im Kino und von ihm gezeigten Juden, und impliziert ein unterschwellig falsches, da unvollständiges Bild indem er seinen Protagonisten eine Würde zukommen lässt, die in der Realität eben nicht mehr vorhanden war. Die begründete Angst vor Auschwitz äußert sich nur in der Duschszene und dem nachträglichen Schwenk auf die rauchenden Schornsteine der Krematorien. Kein einziges erklärendes Wort, welches drauf hinweist, dass die meisten Neuankömmlinge in Birkenau den direkten Weg in die Gaskammern antreten mussten. Anders ausgedrückt: In diesen Szenen entwirft Spielberg ein Bild, das gerade für Leute, die nicht über den Holcaust unterrichtet sind, zu der gefährlichen Annahme verleiten könnte: „Unter den Duschköpfen wird geduscht.“ [12] Die Schrecken des Holcaust beschränken sich also bei Spielberg in der Regel auf die Evozierung von „emotionaler Gewalt“, die Abbildung von physischer Gewalt bleibt auf relativ wenige Szenen beschränkt. Das der Film in gewisser Hinsicht seine gewünschte Wirkung erhält liegt dann zum Einen an der Vorbildung des Zuschauers, der im besten Fall weiß was sich da in vollem Ausmaße abgespielt hat, und zum Anderen an der eindrücklichen Inszenierung von Spielberg, der es immerhin schafft dermaßen intensiv zu erzählen, dass die emotioanle Reaktion des Zuschauers unweigerlich eintreten muss. Das Dilemma zwischen der Wirklichkeit und der Inszenierung des Holocaust ,so viel muss konzediert werden, kann Spielberg indes nicht auflösen.







Abb.3: Oskar Schindler (Liam Neeson), Abb.4: Amon Göth (Ralph Fiennes)


Bleiben also in Bezug auf die im Vorigen skizzieren Sachverhalte zahlreiche Problemfelder bestehen, so gilt dies ohne Zweifel auch für Spielbergs „Helden“ im Film, nämlich Oskar Schindler. Stella Müller Madej schildert ihren ersten Eindruck von Oskar Schindler wie Folgt: „Schindler, der die Reihe abschreitet, sieht sie [Die Mutter] an. Wie seltsam dieser Hüne dabei aussieht, sein Gesicht spiegelt zugleich Entsetzen, Mitleid und Güte.“ [13] Es wurde bereits erwähnt, das Leben des historischen Schindlers vor dem Jahr 1939 spielt bei Spielberg keine Rolle. Dabei würden sich bei Betrachtung seines Wirkens vor 1939 einige interessante Aspekte seines Lebens herausfiltern lassen. 1928 heirate Schindler seine Frau Emilie, von deren Mitgift soll er sich als erstes ein luxuriöse Auto gekauft haben. Der Lebemann Schindler, wie ihn auch Spielberg in seinem Film skizziert, er ist ohne Zweifel historische Realität gewesen. Insgesamt ist zu konstatieren, dass die historische Person Schindler weitaus ambivalenter war, als im Film gezeichnet. Schindler war nicht nur Mitglied der NSDAP, zudem soll er für das Dritte Reich in Tschechien spioniert haben und 1939 die polnischen Uniformen besorgt haben, die im Zuge des inszenierten Überfalls auf den Sender Gleiwittz Hitler den Vorwand lieferte, den von ihm geplanten Krieg zu entfesseln. Es kann an dieser Stelle nicht darum geben, dass Leben von Schindler vor dem Krieg in allen Details zu eruieren, zu diesem Zweck sei zum Beispiel auf die Biographie von David M. Crowe verwiesen. Doch schon aus diesen wenigen Worten fwird die Widersprüchlichkeit der Person Schinder deutlich, die umso interessanter wird, wenn man sich die Frage nach den Gründen stellt, warum Schindler zum Retter von mehr als 1000 Juden wurde, während so Viele das Falsche oder Nichts taten.


Die von mir bereits zitierte Stella Müller-Madej beantworte mir diese Frage im persönlichen Gespräch auf eine Art und Weise die von entwaffnender Einfachheit ist: Sie wüsste es nicht, aber eigentlich wäre es ja auch nicht wichtig. Wichtig sei einzig und allein gewesen, dass Schindler so vielen Menschen geholfen hätte – Das waren ihre sinngemäßen Worte. Spielberg selbst beantwortet diese Frage im Film ziemlich eindeutig, zumindest was den Zeitpunkt angeht. Der Schindler im Film wohnt im Zuge eines Ausrittes die Liquidierung des Krakauer Ghettos bei, in dessen Zuge er ein kleines Mädchen beobachtet, von Spielberg in einen roten Mantel gekleidet. Schindler wird diese Mädchen ein zweites Mal sehen, nämlich als deren Leiche verbrannt wird. Der Film stellt somit Schindlers Wandlung als allmählichen Prozess da, und diese Darstellung kann als plausibel bezeichnet werden. Spielberg konstruiert seinen Film vor allem über den Gegensatz von Oskar Schindler und Amon Göth, einer der Aspekte, die Spielberg wirklich gelungen sind. Er thematisiert damit die universelle Frage was den Einen zum Mörder und dem Anderen zum Helfer werden lässt. Damit greift der Film eine Prämisse auf, die sich auch in Kennealys Buch finden lässt: „Gleichwohl kann man den Gedanken nicht abweisen, daß Göth so etwas wie der dunkle Bruder Schindlers war, ein berserkerhafter, fanatischer Mordgeselle, wie auch Schindler einer hätte werden können, wäre seine Neigungen andere gewesen.“ [14] Spielberg hat diesen Gedanken eindeutig in den Diskurs seines Filmes einfließen lassen, indem er nicht nur Schindler, sondern auch Amon Göth als Spieler und Trinker – kurz: als Genussmenschen – skizziert. In einer der in diesem Zusammenhang wesentlichsten Szenen stellt Spielberg Schindler und Göth gegenüber, indem er beide bei der morgentlichen Rasur zeigt und immer wieder zwischen Beiden hin und her wechselt (Abb.3 und 4).


Ist Schindler die Lichtfigur des Films, der rettende Anker, ist Göth seine absolute Nemesis. Amon Göth war in der Realität wohl noch bestialischer, als im Film dargestellt: „Schau nicht so neugierig, zischte Mama. Er schießt oft hinter den Gardinen hervor.“ [15] Die Frage nach der Motivation der Täter im Holcaust ist in der Geschichtswissenschaft bislang zwar umfassend, aber nicht eindeutig beantwortet worden. Eines ist jedoch sicher, die Prämisse das es sich bei den Tätern in der Mehrzahl um pathologische Einzelfälle, so wie Göth wahrscheinlich einer war (Insofern hat Spielberg mit Göth hier zwar einen eindeutigen Antagnoisten, der aber keinesfalls „repräsentativ“ ist) handeln würde, ist zurückzuweisen. Gleichzeitig ist aber auch die Monokausalität vieler Deutungs-Ansätze zu hinterfragen, die in der Wissenschaft immer wieder diskutiert werden. So ist das von Götz Aly in seiner Monographie „Hitlers Volksstaat“ ventilierte Diktum des NS-Regimes als „Gefälligkeitsdiktatur“ in ihrer scharfen Eindeutigkeit ebenso zurückzuweisen[16], wie Daniel Jonah Goldhagens kontrovers diskutierte These von einem „eliminatorischen Antisemitismus“, der in deutschen Gesellschaft vorgeherrscht habe. [17] Letztlich läuft es darauf hinaus das Täterschaft nicht auf einer einfachen Ebene zu fassen ist, sondern immer aus einer individuellen Interdependenz von Faktoren wie Brutalisierung, Rassismus, Arbeitsteilung, Selektion der Täter, Karrierismus, Anpassung, Indoktrinierung oder auch Gehorsam erklärt werden muss. [18] Das Spielberg mit seiner bewussten (oder unbewussten?) Entscheidung Schindler und Göth gegenüber zu stellen und damit den Zuschauer zu einer tiefergehenden Reflexion zu Täter-Motiven zu reizen, beziehungsweise die Frage aufzuwerfen, was den Einen zum Täter werden lässt und den Anderen nicht und diese dann nicht auf eindeutige Art und Weise beantwortet, ist ein Aspekt des Films der zu Gefallen weiß, da nicht immer die klare Antwort das Ziel ist, sondern eben oftmals die Frage.


Spielbergs „Schindlers Liste“ ist natürlich ein Unterhaltungsfilm und als solcher muss er auch Gesehen werden. Verkürzungen in der Chronologie, so waren die weiblichen „Schindler-Juden“ volle vier Wochen in Auschwitz, zu Gunsten einer luziden Narration sind genauso zu tolerieren, wie dramaturgische Verdichtungen und Änderungen, die von der Historie abweichen. So hat Schindler zum Beispiel Göth seine Juden nicht „abgekauft“, sondern auf dem bürokratischen Wege bei den zuständigen Stellen beantragt. Doch sind dies Marginalien, die zu akzeptieren sind. Schwieriger ist dies bei der absolut positiven Skizzierung des Menschen Schindler, der von Spielberg in seinem Wirken, gerade auch was den Umgang mit seiner eigenen Frau angeht, eindeutig geschönt worden ist. Die Frage, ob sich da nicht ein unvollständiges Bild von Schindler einstellt, muss erlaubt sein. Andererseits ändern diese Anpassungen ja nichts an der letztendlichen Leistung Schindlers, auch weil auf der anderen Seite nur rudimentär zu erahnen ist, welcher Gefahr sich Schindler eigentlich auch mit seinen Handlungen ausgesetzt hat. Nichts desto trotz, zerstört Spielberg gegen Ende seines Films einige seiner gelungenen Ansätze, als er Schindler in Tränen ausbrechend in die Arme seiner Juden fallen lässt. Die Schilderungen, gerade von Müller-Madej zeichnen da ein wesentlich undramaterisches Bild, so das man Spielberg vorwerfen muss am Ende des Films dem emotionalen Kitsch verfallen zu sein, der den billigen Effekt bedient. - Dabei hätte er dies nach den drei Stunden Spielzeit nicht mehr nötig gehabt.


Es sind somit gerade jene letzten Minuten in denen sich die klarste Schwäche Spielbergs zeigt, die sich durch den gesamten Film zieht. Es ist die fehlende Ambivalenz der Protagonisten, welche eigentlich im ganzen Film nicht vorhanden ist. Schindler wird zur unbefleckten Lichtgestalt, ebenso wie Göth zur ultimativen Nemesis verkommt, wobei dies im Fall von Göth nicht wirklich zu kritisieren ist. Dieser Aspekt gilt vor allem aber auch für die im Film dargestellten Juden, die von Spielberg eigentlich zu keinem Zeitpunkt in ein negatives Licht gesetzt werden. Kollaborierende Juden, die dem Teufel des Nationalsozialismus die Hand reichten, kommen im Film an genau an einer Stelle vor und dort werden sie von Spielberg in der Form einer Witzfigur gezeichnet. Anders die Schilderungen bei Müller-Madej: „Krieg ist Krieg, aber der Mensch macht Karriere; so ist das im Leben, man muß sich nach oben boxen“ [19] Die Rede ist an dieser Stelle von Smiche Spira, der von den Nazis zum Kommandanten des jüdischen OD (Ordnungsdienst) im Ghetto von Krakau gemacht wurde und sich auch so benahm. Dementsprechend fielen die Reaktionen einiger Gefangenen im KZ-Plaszow aus, nachdem das Krakauer Ghetto liquidiert wurde und sich das Regime auch dem Kollaborateur Spirra entledigte: „Das ist Smiche Spira auf seiner Sonderreise. Da hat er nun den Spitzellohn den er verdient hat.“ [20]


Nun sollen diese Zeilen natürlich nicht im Sinne einer Relativierung des Verhältnis zwischen Täter und Opfer verstanden werden, sie zeigen aber die angebrachte Vielschichtigkeit die von Spielberg in weiten Teilen seiner Verfilmung unter den Tisch fallen gelassen wird. Letztlich ist dies der Grund warum die Forderung „Schindlers Liste“ als Mittel zur Bildung eingesetzt werden kann, ebenso zurückzuweisen ist, wie die Bezeichnung des Films als „Meisterwerk“. Nichts desto trotz bleibt „Schindlers Liste“ ein handwerklich einwandfreies Drama, welches allerdings richtig eingeordnet werden muss. Keinesfalls ist es aber auch das Desaster, als welches der Film auch mal ganz gerne abgestempelt wird. Eine solche Kritik speist sich eben vor allem auch aus den schier überbordenden Lobhudeleien, die den Film künstlich in Sphären heben, wo er einfach nicht hingehört. Letztendlich ist der Film ist eine „Verneigung“ vor Oskar Schindlers, nicht Mehr und nicht Weniger, dem diese Ehrung unabhängig davon wie er in seinem Wesen von Spielberg vereinfacht wurde, auch gebührt: Für jenem Mann also, der nach dem Krieg in der Bundesrepublik niemals glücklich wurde, ja sogar auf offener Straße für sein Engagement angefeindet wurde. Leider musste erst ein Regisseur aus Hollywood kommen, um Schindler einem großen Teil der Deutschen bekannt zu machen. Wenn man schon mit diesem Film eine Art von Sendungsbewusstsein verbinden möchte, dann ist es jedenfalls das Andenken an Oskar Schindler. Alles was darüber hinausgeht, ist jedoch Utopie. Die Welt wird durch solche Filme nicht besser, ebensowenig wie man durch diesen Film lernen kann, auch wenn Spielberg das ganz ohne jeden Zweifel gerne hätte. Aber dazu ist der Film zu harmlos, zu glatt, zu sehr auf Konvention gebürstet. Kennt man Schilderungen wie die von Stella Müller-Madej, deren Buch ich an dieser Stelle für Alle am Sujet interessierten, ausdrücklich empfehlen möchte, wird dieser Eindruck umso deutlicher. Während sich auf der ganzen Welt Millionen von Menschen den Film ansehen, geht das Morden weiter. Genozidale Verbrechen gehören nicht der Vergangenheit an und es schauen immer noch zu viele Regierungen und Menschen diesem Treiben tatenlos zu.


Anmerkungen:

[1] Grenze für Greuel. Zitiert nach: http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument-druck.html?id=13686148&top=SPIEGEL

[2] Ebd.

[3] Amazon-Rezensionen. Zitiert nach: http://www.amazon.de/Schindlers-Liste-DVDs-Liam-Neeson/dp/B0001E8BG0/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=dvd&qid=1226249486&sr=8-3

[4] Ebd.

[5] MoviePilot-Kommentare. Zitiert nach: http://www.moviepilot.de/movies/schindlers-liste

[6] Chladenius, Johann Martin: Aus der "Allgemeinen Geschichtswissenschaft" (1752). In:
Hardtwig, Wolfgang (Hrsg.): Über das Studium der Geschichte. München 1990.

[7] Kennealy, Thomas: Schindlers Liste. München 1996.

[8] Müller-Madej, Stella: Das Mädchen von der Schindler-Liste. Aufzeichnungen einer
KZ-Überlebenden. 2. Auflage. München 1999.

[9]Crowe, David M.: Oskar Schindler. Berlin 2005.

[10] Zitiert nach: Werner, Tilo: Holocaust-Spielfilme im Gesichtsunterricht. Norderstedt 2004, S.67.

[11] Müller-Madej, Stella: Das Mädchen von der Schindler-Liste, S. 182.

[12] Zitiert nach:Tilo: Holocaust-Spielfilme im Gesichtsunterricht, S. 73.

[13] Müller-Madej, Stella: Das Mädchen von der Schindler-Liste, S. 223.

[14] Kennealy, Thomas: Schindlers Liste, S. 151.

[15] Müller-Madej, Stella: Das Mädchen von der Schindler-Liste, S. 95.

[16] Aly, Götz: Hitlers Volksstaat : Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus. Frankfurt a. M. 2005: Aly hat in seiner viel beachteten Monographie „Hitlers Volksstaat“ die NS-Diktatur als Gefälligkeitsdiktatur bezeichnet, und nimmt für sich in Anspruch, damit das „Stillhalten“ großer Teile der deutschen Gesellschaft erklären zu können. Der These von Aly kann durchaus zugestimmt werden, jedoch muss diesbezüglich die Reichweite derselben hinterfragt werden. Die sozialen „Wohltaten“ der Gefälligkeitsdiktatur mögen dazu geführt haben, dass die Mehrheit der deutschen Gesellschaft das NS-Regime passiv duldete, kann aber nicht wirklich erklären warum sich jemand aktiv an Mordaktionen beteiligte, da Aly vor allem auch die Ebene des Rassismus und Antisemitismus völlig vernachlässigt.

[17] Goldhagen, Daniel Jonah: Hitlers willige Vollstrecker. Ganz normale Männer und der Holocaust. 9. Auflage. Berlin 1996: Goldhagen geht in seiner Monographie „Hitlers willige Vollstrecker“ von einem „eliminatorischen Antisemitismus“ aus, welcher auch schon in der Zeit vor dem Nationalsozialismus existent gewesen sei. Seine Argumetation stützt sich auch die empirische Aussagekraft dreier Fallbeispiele deren Ergebnisse Goldhagen auf die gesamtdeutsche Gesellschaft überträgt. Auch wenn die konkreten Beispiele für sich alleine Aussagekräftig sind, die Transferleistung ist es nicht, stellt eine methodische Fehlleistung da, und damit ist seine Ausgangsthese nicht haltbar.

[18]Interessant ist in diesem Zusammenhang vor allem auch die Untersuchung von Christopher R. Browning zum Polizeibattaillon 101: Browning, Christopher R: Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen. Hamburg 1996.

[19] Müller-Madej, Stella: Das Mädchen von der Schindler-Liste, S. 24.

[20]Ebd. S. 134.


Quellen
:

Abbildungen 1, 3 und 4 aus "Schindlers Liste". © by Universal Pictures, Amblin Entertainment

Abbildung 2
© by C.H.


24 Kommentare:

Kaiser_Soze hat gesagt…

Wo ihr alle immer die Zeit findet, um solche Beiträge zu liefern ;)

Ich hab die erste Hälfte mal gesehen. Selbst dazu scheint mir wohl die Zeit zu fehlen. ;)

tumulder hat gesagt…

so das man Spielberg vorwerfen muss am Ende des Films dem emotionalen Kitsch verfallen zu sein, der den billigen Effekt bedient.

Ich sehe diesen emotionalen Kitsch ja über die gesamte Lauflänge verteilt, aufgrund dessen kann ich dem Film auch zu keiner Sekunde Authentizität unterstellen. Was sicherlich auch nicht notwendig ist, denn er ist ein Hollywood Drama. Und das ist gemessen an seinem Thema der eigentliche Skandal. Der Holocaust war kein Drama, keine Tradödie, sondern in seiner ganzen unglaublich industriellen Durchführung... Ja was eigentlich? Wahnsinn? Ich kenne kein Wort, das auch nur annähernd das Verbrechen des Genozids beschreiben könnte.

C.H. hat gesagt…

Ich sehe diesen emotionalen Kitsch ja über die gesamte Lauflänge verteilt

Durchaus, doch ich finde das Ende sprengt ganz Besonders den zu tolerierenden Rahmen.

kann ich dem Film auch zu keiner Sekunde Authentizität unterstellen.

Das habe ich von dir auch nicht anders erwartet. ;-)

Aber der Film "Schindlers Liste" ist mit Sicherheit "kein Skandal". Er ist an vielen Stellen zu kritisieren und zu hinterfragen.

Ich kenne kein Wort, das auch nur annähernd das Verbrechen des Genozids beschreiben könnte.

Ich verstehe was du damit sagen möchtest, ist aber aus der Sicht des Historikers nicht wirklich hilfreich, ebenso wenig wie eine Tabuisierung des Holocaust.

tumulder hat gesagt…

Nein, der Film an sich ist kein Skandal. Ich habe auch kein Problem damit, daß der Holocaust thematisiert wird. Es geht mir um die Form, der Thematisierung. Ich kann da nicht einfach hingehen und ein Schwarz/Weiß (nicht auf's Filmmaterial bezogen) Drama in "Cinemascope" drehen. Diese unsägliche Duschszene, in der Spielberg mit der Erwartungshaltung des Zuschauers spielt ist einfach abartig. Jeder weiß, was wirklich passierte. Daraus macht man einfach keinen inszenatorischen Gag, auch wenn Spielberg dies vielleicht nicht beabsichtigte. Wenn ihm spätestens beim Schnitt nicht auffällt welch ein ekelhafter Zynismus in dieser Szene steckt, dann muß ich an der Intelligenz Spielbergs zweifeln. Sorry, das hat nichts mit Tabuisierung nichts zu tun.

TheRudi hat gesagt…

Wir zwei strapazieren die Geduld der Bloggersphäre heute ja ganz schön *g* Da ich grad noch meine US-Serien schau, les ich dein "Werk" ggf. später oder morgen. Da wir jedoch historisch etwas anders ticken, befürchte ich kaum Konsens. Aber we'll see ;)

C.H. hat gesagt…

@ tumulder:

Diese unsägliche Duschszene, in der Spielberg mit der Erwartungshaltung des Zuschauers spielt ist einfach abartig. Jeder weiß, was wirklich passierte.

Diese Szene ist aber wirklich, wie ich ja auch im Essay thematisiert bereits kurz ausgeführt habe, genauso passiert:

"Die Eisentür wurde zugeschoben. Wir standen da und warteten auf Wasser. Nichts. Die Frauen begannen zu toben und eine schrie: "Riecht ihr das Gas? Ich ersticke!" Mama drückte mich so fest an sich, daß ich tatsächlich keine Luft mehr bekam. Ich befreite mich. Ringsum Schreie, ich spürte Hände, die sich in meinen Arm krallten und konnte sie nicht abschüteln. Eine Frau fiel hin und kratze mir den Schenkel auf. "Mama! Ilse!" stieß ich hervor. "Es riecht überhaupt nicht nach Gas, wir sind es, die so stinken. Ich wollte noch sagen, daß es der Geruch der Lappen ist sei, doch es gelingt mir nicht. "Hysterische Weiber! Das ist kein Gas! Ruhe!" riefen ein paar energische Stimmen. Gleich darauf goß man etwas heisses Wasser auf uns herab." -- Zitiert nach: Müller-Madej, Stella: Das Mädchen von der Schindler-Liste, S. 183.

Wie ich im Essay schon geschrieben habe, gehören die Szenen in Auschwitz zu den kontrovers diskutieren Szenen im Film und ich kann nachvollziehen, warum man Spielberg hier schnell einen inszenatorischen Gag unterstellt, gerade wenn man den im vorigen skizzierten Hintergrund nicht kennt. Aber hier muss ich Spielberg entschieden in Schutz nehmen. Es geht ihm hier nicht um Gag, der auf den Zuschauer gemünzt ist, sondern er möchte die ganz und gar schreckliche Erwartungshaltung der Opfer zeigen, mit der diese in die Duschkammer getrieben worden sind. Ob ihm das gelingt kann man diskutieren, aber es ist mit Sicherheit kein Zynismus.

@ Rudi:

Ich hoffe das Beste ;-)

TheRudi hat gesagt…

So, unterbrech jetzt extra GREY'S ANATOMY für deinen Aufatz ;)

„seelische Schnellreinigung“

Scheiße, auf so Bezeichnungen will ich auch mal kommen :)

austarierten

C.H., schreib doch mal für das Proletariat und nicht nur für euch Intellektuele :P

Bzgl. der Amazon- und Moviepilotkommentare: I Loled (big time).

Geschichte ist nicht die genaue und hundertprozentige Rekonstruktion des Vergangenen, sondern subjektive und bewusste Konstruktion des Historikers, der von seinem Umfeld, siehe Chladenius, beeinflusst wird.

Kennt man ja schon von Thukydides (also nicht die These, sondern dass Objektivität nicht erreichbar ist).

immerhin gewann der Autor 1982 für „Schindler's Ark“ den Booker-Prize in der Kategorie „Fiktion“. [Herv. d. Verf.]

Was sagt uns das? (Rhetorische Frage, d. Red.)

Gruppen von lärmenden und wild fotografierenden Japanern springen

Naja, dazu muss man die japanische Kultur etwas besser verstehen, die Armen werden ja stets sehr negativ beurteilt.

diametral

*G*. Schau mal einer an, wenn haben wir denn da?

Ist es moralisch vertretbar den Holocaust in diesem Maße zu „verharmlosen“?

Das stellt ja wieder die Frage, ob man alles so zeigen muss, wie es war, damit der Zuschauer das auch kapiert. Man könnte zum Beispiel nie einen afrikanisch-stämmigen Schauspieler in einer Nazirolle casten, weil vor seiner Leistung stets sein Aussehen beurteilt wird. Die Frage ist also, ob man dürre Menschen zeigen muss, um den Holocaust zu repräsentieren? Provokativ wäre ja mal eine Verfilmung, welche das Ganze ins Gegenteil verkehrt und somit im Grundsatz denselben Effekt erzielt, zugleich jedoch polarisiert. Aber in unserer Gesellschaft wohl nicht durchführbar.

gerade für Leute, die nicht über den Holcaust unterrichtet sind, zu der gefährlichen Annahme verleiten könnte

Hach ja, der BMK-Disput. Wer sein Wissen aus Filmen ziegt, ist selber Schuld (imho).

konzediert

Noch so einer...

im persönlichen Gespräch

Wo konntest du denn mit der reden? Kam die zu euch an die Uni? *neid*

Letztlich ist (...) die Bezeichnung des Films als „Meisterwerk“ [zurückzuweisen]. Nichts desto trotz bleibt „Schindlers Liste“ ein (...) Film (...) schier überbordende[r] Lobhudeleien, die den Film künstlich in Sphären heben, wo er einfach nicht hingehört.

Dem könnte ich zustimmen (bin mir bewusst, dass ich den Satz etwas aus deinem Zusammenhang reiße).

Ich kenne kein Wort, das auch nur annähernd das Verbrechen des Genozids beschreiben könnte.

Ich kenn eins, aber wenn ich das aussprechen würde, kämen wir nirgendwo hin.

Fazit: Einen Beitrag hab ich nochmal gelöscht, weil der sicherlich zu unnötigen Diskussionen führen würde, auf die ich keine Lust habe. Ansonsten gebe ich das Lob gerne zurück. Schön geschriebener Beitrag. Ich selbst würdige durchaus die technische Klasse von SCHINDLER'S LIST. Anerkennen muss man auch diese manipulative Kraft, die ja die meisten verblendet. Inhaltlich ist der Film in meinen Augen alles andere als ein Meisterk. Aber was erwartet man auch, wenn Spielberg einen Film über den Holocaust dreht?

Mr. Vincent Vega hat gesagt…

Oh doch, sehr, sehr gut, dieser Text. Im Detail gibt es zwar auch ordentlich Kritik zu üben, aber ich bin nicht dein Dozent, von daher: Thumbs up!

tumulder hat gesagt…

Ob ihm das gelingt kann man diskutieren, aber es ist mit Sicherheit kein Zynismus.

Oha, Spielberg setzt also vorraus, daß der Zuschauer weiß, daß die Szene wirklich so passiert ist. Daß der Zuschauer dies aber nicht weiß und vielleicht doch den Zynismus darin sehen könnte, das ist dann das Problem des Zuschauers? Wie ich schon schrieb, spätestens beim Schnitt hätte ihm diese Möglichkeit auffallen müssen. Und wenn er nur die Erwartungshaltung der Opfer zeigen möchte, warum muß er dies in dieser Form tun? Es geht nur um die Form. Es ist egal was Spielberg vielleicht bezwecken wollte. Das Ergebnis ist nicht gut.

C.H. hat gesagt…

@ Rudi:

So, unterbrech jetzt extra GREY'S ANATOMY für deinen Aufatz ;)

Welch Ehre! ;-)

Wo konntest du denn mit der reden? Kam die zu euch an die Uni? *neid*

Nein, war nicht in der Uni. Ist schon einige Jahre her (2002) da war ich in der 11. Klasse und auf einer Studienfahrt knapp 2 Wochen in Auschwitz (und damit auch Krakau, und später noch Brünlitz, der Ort von Schindlers zweiter Fabrik). In Krakau haben wir dann mit der Müller-Madej sprechen können, was natürlich sehr interessant war, gelinde ausgedrückt. In diesem Zusammenhang ist auch die Kamera-Japaner-Polemik zu sehen (Will hier ja niemanden diskrimieren). Ich werde nie vergessen wie ich in Birkenau an der berühmt- berüchtigten Rampe stand und eine Horde Japaner lärmend und johlend an mir vorbei flaniert ist. Da schüttelst echt mit dem Kopf.

Letztlich ist (...) die Bezeichnung des Films als „Meisterwerk“ [zurückzuweisen]. Nichts desto trotz bleibt „Schindlers Liste“ ein (...) Film (...) schier überbordende[r] Lobhudeleien, die den Film künstlich in Sphären heben, wo er einfach nicht hingehört.

Jo, dem könnte ich sogar auch noch (mit Einschränkungen) zustimmen. Schöne Umformulierung, bist ein wahrer Künstler. ;-)

Inhaltlich ist der Film in meinen Augen alles andere als ein Meisterk.

Dem ist beizupflichten, dafür begeht Spielberg zu viele Fehler.

@ MVV:

Danke. Wobei mich eventuelle Kritik-Punkte am Inhalt durchaus interessieren würden, auch wenn du nicht mein Donzent bist. ;-) Immerhin bist du hier wohl so ziemlich der Spielberg-Experte unter den Filmbloggern...

@ tumulder:

Also ich vermute jetzt mal aus deiner Reaktion du hast das auch nicht gewusst, und die Frage ob dies das Problem des Zuschauer ist, ist auf der einen Seite durchaus gerechtfertigt. Aber auf der anderen Seite ist es doch auch so, dass Spielberg auch die Geschichte der Schindler-Juden erzählen möchte. Und diese Episode gehört nunmal dazu. Kritisieren kann man dann den Aspekt der Weichzeichung der Szene, wie ich es im Text durch den Kontrast mit Müller-Madej getan habe. Ich glaube durchaus das sich Spielberg über die Möglichkeit einer möglichen Fehlinterpretation im Klaren war, dies aber zu Gunsten der "wahren Geschichte" zurückgestellt hat. Ich halte diese Szene in der letlichen Umsetzung auch für problematisch, aber legitim!

tumulder hat gesagt…

Ohne die Diskussion jetzt ins unermeßliche treiben zu wollen. Es geht mir nicht ums Legitime, oder darum ob er es erzählt. Es geht mir ausschließlich um die Form.

C.H. hat gesagt…

Ja, aber ob und wie es Spielberg es erzählt, ist doch die Form, oder sehe ich das verkehrt?

tumulder hat gesagt…

Nein, die Form ist nur das Wie. Mir ist schon klar, daß es sich um schwer verfilmbaren Stoff handelt. Mir stellt sich die Frage ob er eine zusätzliche Dramatisierung durch den Score, eben dieser Duschszene etc. bedarf. Spielberg ist ja sehr auf Authentizität bedacht, inszeniert jedoch einen Hollywood Spielfilm. Schindler Protagonist, Göth der Antagonist, die KZ-Häftlinge letztendlich nur Mittel zum Zweck um die Bösartigkeit zu demonstrieren, auch und gerade während der Duschszene. Mich stört an Schindlers List, daß er nur zeigt was war, aber nicht eine Sekunde ernsthaft der Frage nachgeht warum das so war. Aber wenn Spielberg dies geschafft hätte, wäre der Film vielleicht nicht so ein Blockbuster geworden, denn die Menschen interessiert wahrscheinlich dann doch eher nur was wie war;)

C.H. hat gesagt…

Ah, Ok jetzt weiß ich worauf du hinaus willst:

Mich stört an Schindlers List, daß er nur zeigt was war, aber nicht eine Sekunde ernsthaft der Frage nachgeht warum das so war.

Ja, das wäre mal in der Tat sensationell wenn Spielberg das versucht hätte. Und ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass ein solcher Versuch von Spielberg im totalen Desaster geendet wäre. Ich meine, die Geschichtswissenschaft geht seit Jahrzehnten der Kardinalsfrage des "Warum?" nach und es gibt keine eindeutige Antwort. Ich habs im Text mit 3 Positionen angedeutet: Aly, Goldhagen-Kontroverse, Browning. 3 Leute, 3 Ansätze und das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Holocaust-Forschung.

Nene, Spielberg hat schon Recht damit gehabt einen Spielfilm daraus zu machen, alles andere hätte sein Potential um Einiges überstiegen. Hätte er seine Protagonisten vielschichter angelegt, er hätte viel gewinnen können: Denn dann hätte er die Frage nach dem "Warum", die du ja so gerne thematidsiert hättest, viel intensiver im Diskurs des Films betont und dem Zuschauer somit quasi gezwungen sich mit dieser Thematik zu beschäftigen. So aber, und da gebe ich dir Recht, hat es der Zuschauer - zumindes was die Figuren-Konstellation angeht zu leicht: Held - Bösewicht - Opfer. Zwischentöne gibt es kaum und das habe ich dem Film ja auch unter Anderem vorgeworfen.

tumulder hat gesagt…

Ich habe aus Deinem Text ja auch herausgelesen was Du von dem Film hälst. Da unterscheiden sich unsere Meinungen über den Film ja nur wenig. Du nennst ihn ja Unterhaltungsfilm und das ist ja eine Ohrfeige gemessen am Thema des Films.;)

Im übrigen meinte ich keinesfalls, daß Spielberg auch die Antworten auf das Warum hätte liefern sollen. Gott bewahre.;)

lalia hat gesagt…

uff, also, wenn du keinen zum Korrekturlesen hast für deine Seminararbeiten, du darfst sie mir gern schicken ^^#

Der historische Schindler und er filmische Schindler sind beide kopmplexe Personen. Und ich bin froh, dass es einen guten Film gibt, denn so wurde er bekannter.
Der "gute Deutsche" sozusagen, stellvertretend für ein paar andere.

Doch auch hier geht Spielberg mehr auf die Gefühle der Charaktere ein, er zeigt sie, wie sie aus dem Moment heraus agieren. Genauso wie bei München. Und das beeindruckt stärker als jede eins-zu-eins Geschichtsbuch Präsentation.

und ich halte den Film für ein Meisterstück ^^ Drehbuch und Regie finde ich super

ach, und zu der Duschszene, die fand ich weder unsäglich noch zynisch, sondern nur schauerlich, weil man beim ersten sehen auch schon dachte: jetzt ist es aus mit Ihnen! Und man ist genauso erleichtert wie die zu sehenden Charaktere.

C.H. hat gesagt…

uff, also, wenn du keinen zum Korrekturlesen hast für deine Seminararbeiten, du darfst sie mir gern schicken ^^#

Na hoffentlich war das jetzt positiv auf den Inhalt bezogen und nicht auf die bestimmt zahlreichen Rechtsschreibfehler. die da noch zu finden sind. ;-)

Ansonsten ist "Schindlers Liste" ein sehr guter Film, mit geht da halt nur manchmal der Hype ein bißchen auf die Nerven, den Manche da veranstalten. Ist aber vielleicht auch nur ne Historiker-Krankheit.

lalia hat gesagt…

klar darf man das Gesehen nicht als Historisch 100% so geschehene Sache sehen.
Aber Spielberg hat es geschafft, die Gefühle von damals dem Zuschauer zu übermitteln.
Welche Angst, Befremdheit, Aggression oder auch Wut in den einzelnen Personengruppen vorhanden war. Und das find ich sehr beeindruckend.

fincher hat gesagt…

Hey,

wollte mal fragen, ob du speziell zum Holocaust-Thema etwas Lesenswertes empfehlen könntest, außer dem Tagebuch Anne Franks (Hab ich aber auch noch nicht gelesen.). Bei Amazon und in Bücherläden wimmelt es ja von Literatur dieser Richtung... :D

C.H. hat gesagt…

Uff, ja die Literaturlage ist in diesem Fall wirklich Segen und Fluch zugleich. In welche Richtung soll es denn gehen? Eher schulische Vorbereitung, oder privates Interesse? Eher wissenschaftliche Lektüre, oder doch eher belletristisch/biographisch?

Soll es in die Richtung Anne Frank gehen, kann ich das Buch von "Müller-Madej, Stella: Das Mädchen von der Schindler-Liste" wirklich wärmstens empfehlen, dass ich ja auch im Essay des Öfteren zitiert habe. Die Tagebücher von Viktor Klemperer sind natürlich in dieser Hinsicht auch ein Klassiker.

Soll es eher wissenschaftlich sein, dann ist die Auswahl natürlich ebenso weit wie die historische Forschung zum Thema. Da kommt es dann auch natürlich auf die Frage an, die speziell dich interessiert. Zur "Einstimmung" sozusagen würde ich den Aufsatz von "Ulrich Herbert: Vernichtungspolitik. Neue Antworten und Fragen zur Geschichte des „Holocaust“ In: Ders. (Hrsg.): Nationalsozialistische Vernichtungspolitik 1939-1945: Neue Forschungen und und Kontroversen. Frankfurt a. M. 1998, S. 9-66" empfehlen um einen ersten Überblick zu bekommmen. Gibt natürlich eine ganze Reihe von Büchern. Exemplarisch würde ich mal Browning, Christopher R: Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen. Hamburg 1996 empfehlen wollen. Browning geht in dieser Monographie an Hand des PB 101 höchst eindrucksvoll den Täter-Profilen nach.

Vielleicht erst mal so vielleicht. Wenn du mir verräts in welche Richtung du gehen willst, dann kann ich dir dann ggf. noch ein paar Titel nennen... ;-)

fincher hat gesagt…

Das sind ja schon mal eine ganze Menge an interessanten Ansätzen und hilfreichen Informationen. :)

Eher schulische Vorbereitung, oder privates Interesse?

Da ich vor kurzem "Das Urteil von Nürnberg" gesehen hatte, verleitete mich das Holocaust-Thema (mal wieder) zur näheren Betrachtung. Ist ganz einfach eines meiner Lieblingsthemen in Geschichte (Was hab ich die Stunden in der 9./10. Klasse geliebt). Aber eben ein richtig schönes Buch dazu hatte ich noch nie gelesen, würde dann aber eher zum wissenschaftlichen Bereich tendieren, auch wenn ich grundsätzlich einer mitreißenden Biografie nicht abgeneigt wäre, so wie die 3 Bücher in deinem Kommentat.

Die von dir genannten merke ich mir jedenfalls vor. Danke. Schön, dass die von dir erwähnten wissenschaftlichen Bücher beispielsweise erstmal einen Überblick, einen Einstieg (für mich als "Laie" *g*), gewähren. Da kann man da ja noch allemal in komplizietere Analysen abdriften...

C.H. hat gesagt…

Ok. Jau, wenn es tatsächlich in die wissenschaftliche Ecke gehen soll, dann ist so eine Zusammenfassung in Aufsatz-Form, die die bisherige Forschung zusammenfasst, für den Start ganz sicher nicht verkehrt. Zumal du dann in dem Aufsatz auch sehen wirst, was dich nun ganz speziell interessiert... ;-)

Anonym hat gesagt…

Ich hab mal ne Frage
Also erstens mal ist diese Ausarbeitung übelst gut gelungen aber mich persönlich würde interessieren welche Hinweise der Film auf das antisemitische Wesen mancher Polen gibt?

C.H. hat gesagt…

Schwer zu sagen, weil ich den Film nicht mehr in allen Einzelheiten im Kopf habe. Offensichtlich ist, dass Spielberg in wenigen Szenen mit den Nationalsozialisten kollaborierende Juden zeigt (die ja gleichzeitig auch Polen waren). An mehr kann ich mich gerade nicht erinnern, außer das das Thema von der in meinem Text häufig zitierten Biographie von Müller-Madej augegriffen wird. Allgemein gilt ohnehin: Der Blick in die wissenschaftliche Fachliteratur hilft weiter. ;-)

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