Rezension: "Hilde"















Schauspielerin, Sängern, Sünderin - Hildegard Knef. Der erste große deutsche Weltstar nach dem zweiten Weltkrieg. Von den Deutschen selber geliebt und verachtet zugleich. Auf Erfolg folgte oftmals Misserfolg und umgekehrt. Ein Leben wie im Film für den Film, für die Bühne. Schillernd, voller Facetten, eine Karriere im Rampenlicht, die mit dem Tod der Knef im Jahr 2002 ihr Ende fand. Was bleibt sind ihre Filme, ihre Musik und die Erinnerung an jene Frau, die mit ihren biographischen Brüchen geradezu prädestiniert für eine Verfilmung ihres Lebens im Kino scheint. Folgerichtig stellt „Hilde“ nun genau diese Verfilmung der bewegten Vita der Knef dar. Basierend auf der Autobiographie „Der geschenkte Gaul“ hat sich Regisseur Kai Wessel daran versucht das von Maria von Heland geschriebene Drehbuch in einen Film münden zu lassen, welcher der Knef gerecht wird. Als Hauptdarstellerin verpflichtete man Heike Makatsch, die mit dieser Rolle vor allem zweierlei konnte: Entweder endgültig in die Riege der besten deutschen Schauspielerinnen aufzusteigen, oder aber an der Knef grandios scheitern. Und gescheitert sind bei „Hilde“ einige, Makatsch aber, soviel ist sicher, gehört nicht dazu.


Die biographische Verfilmung eines Lebens ist immer ein schwieriges Unterfangen, muss doch zwangsläufig selektiert werden, gerade wenn man sich an so ein bewegtes Leben, wie des der Hildegard Knef wagt. „Hilde“ geht an dieser Stelle den Weg, den zum Beispiel auch ein „Walk the Line“ gegangen ist: Wessel erzählt in seinem Film nicht das ganze Leben der Knef, sondern nur einen Ausschnitt, der von einem besonderem Ereignis im Leben der Protagonistin eingerahmt wird. In diesem Fall ist es der erste Auftritt von Hildegard Knef in der Berliner Philharmonie, der als Ausgangspunkt für die Rückblenden benutzt wird, die durch den Film führen. Routiniert klappert der Film die wichtigsten Stationen ihrer Karriere ab. Die Anfänge im Dritten Reich werden dabei ebenso wenig außer acht gelassen, wie die Rolle der Knef im Volkssturm gegen Ende des Krieges. Inmitten der Trümmer eines zerstören Deutschlands beginnt dann die zweite Karriere der Schauspielerin mit der rauchigen Stimme, bevor sie es zum ersten mal (erfolglos) zu Selznick nach Hollywood verschlägt. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland sorgt sie in der Rolle der „Sünderin“ für einen gesellschaftlichen Aufruhr und kehrt, diesmal mit Erfolg, nach Amerika zurück, bevor sie nach ihrer abermaligen Heimkehr in die Bundesrepublik als Sängerin große Erfolge feiert.


Das Problem, an dem „Hilde“ krankt, ist ohne Zweifel die fehlende Fokussierung auf die eigentliche Aussage, die der Film treffen will. Dem Zuschauer wird diese nämlich nicht, oder nur selten ersichtlich. Zwar bemüht sich Wessel darum, die wichtigsten Ereignisse im Leben von Hildegard Knef in den Vordergrund zu stellen, doch bleibt seine Hilde dem Zuschauer seltsam fremd. Warum Hildegard Knef tut was sie tat bleibt oftmals im Unklaren. Obschon sich der Film vor allem an den Liebesbeziehungen der Knef orientiert, und diese offensichtlich zu seinem roten Faden erkoren hat, bleibt „Hilde“ in weiten Teilen erkennbares Stückwerk. Dies indes vermag nicht weiter zu verwundern: Zu viele wichtige Stationen der Knefschen Karriere werden erstaunlich oberflächlich behandelt, so vor allem ihrer großer Erfolg in den USA nach „Die Sünderin“, und auch diese eigentliche „Skandalrolle“ wird in aller Schnelle abgehandelt. Hinzu kommt, dass Wessel zu seinem Film offensichtlich auch inszenatorisch keinen stimmigen Zugang gefunden hat. Die Parallel-Montage des Erfolgs von Knef nach dem Krieg bei der Premierenfeier zu „Die Mörder sind unter uns“ zu der gleichzeitig stattfindenden Hinrichtung ihres früheren Nazi-Liebhabers Ewald von Demandowsky (Anian Zollner) lässt eine Lesart des Charakters von Knef aufkommen, die so mit Sicherheit nicht impliziert war, und kann paradigmatisch für den doch unharmonischen Tenor von „Hilde“ gesehen werden. Wenig zu überzeugen weiß ebenfalls das Stilmittel zwischen den einzelnen Abschnitten des Films kurze Verse der Knef einzubinden, die in ihrer separierenden Wirkung den bruchstückhaftem Charakter des Films noch zusätzlich verstärken.


Kann „Hilde“ somit auf der rein inhaltlichen Ebene nur eingeschränkt überzeugen, spielt Heike Makatsch diese schwierige Rolle absolut großartig. Stimmlage und Gesang, sowie das gesamte Auftreten von Makatsch machen diesen Film erst wirklich sehenswert. Ihr ist es zu verdanken, dass der Film nicht zu einem wirklichen Reinfall wird. Nein, Heike Makatsch ist an „Hilde“ nicht gescheitert und hat ihre große Chance genutzt, wird aber von dem schwachem Drehbuch eindeutig behindert. Nicht desto trotz ist sie es – und nur sie – die für die glanzvollen und nachhaltigen Momente in diesem Film sorgt. Groß ist etwa die Szene, als sie der prüden und moralisch verstaubten bundesdeutschen Gesellschaft, die in einem scheinheiligen Akt beschlossen hat die Sünderin Knef als „Schande für das deutsche Volk“ zu ächten, den Spiegel mit der Bemerkung vorhält, ob den schon alle vergessen hätten, welche Greuel im deutschen Namen nur wenige Jahre Jahre zuvor begangen worden sind. Aber selbst in dieser an sich gelungenen Szene schwächelt das Drehbuch und verschenkt eine Menge Potential, in dem es den Eindruck vermittelt, dass es bei „Die Sünderin“ nur um zwei nackte Brüste gegangen wäre. Das der Film noch dazu mit Suizid und Prostitution zwei Themen tangierte, die in der Gesellschaft ebenso tabuisiert waren, wird in „Hilde“ jedoch nicht ersichtlich.


Was in der Summe von „Hilde“ bleibt ist ein ohne jeden Zweifel unterhaltsamer Film, doch ist er dies aus den falschen Gründen. Er ist einfach viel zu wenig Hilde, sondern viel mehr Heike. Der Zuschauer wird sich an der Darstellung von Heike Makatsch als Hilde erfreuen, und weniger an der Abbildung des Lebens von Hildegard Knef. Mit anderen Worten: Letztlich sollte man sich den Film wegen der formidablen Performance von Heike Makatsch ansehen, nicht weil es eine Verfilmung des Lebens von Hildegard Knef ist, denn dieses Leben bleibt einem seltsam fremd – Und dies kann wohl kaum im Sinne des Erfinders gewesen sein. - Fazit: 5,5 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Hilde". © 2009 Egoli Tossell Film/ MMC Independent, Warner Bros.


13 Kommentare:

Kaiser_Soze hat gesagt…

Nicht mal mit nem Kinogutschein würd ich mir den antun. *schüttel*

C.H. hat gesagt…

Wegen Hildegard Knef, oder Heike Maktasch? Oder gar wegen Beiden? ;-)

Kaiser_Soze hat gesagt…

Wegen beiden plus der Tatsache, dass es eine deutsche Produktion ist. Aber vor allem wegen den ersten beiden.

JMK hat gesagt…

ist der Kaiser Flos unehelicher Bruder? :-)

Rajko Burchardt hat gesagt…

Was kann man den gegen Hildegard Knef haben?

Göttliche Frau.

Flo Lieb hat gesagt…

Ich mag Heike Makatsch.

tumulder hat gesagt…

Ich mag Heike Makatsch.

Jau, die geht schon in Ordnung.

Kaltduscher hat gesagt…

Schade, dass ich den Film im Kino wohl nicht sehen kann. Aber klingt ja sowieso nicht so dolle.

C.H. hat gesagt…

Jo, würde sagen, dass bei "Hilde" wirklich die DVD mal reicht. Heike Makatsch rechtfertigt die zwei Stunden Zeit, die man für den Film investieren muss. Das Drehbuch taugt halt nicht sonderlich viel.

Rajko Burchardt hat gesagt…

Ich glaube da hast du vollkommen Recht. Leider. War aber auch abzusehen... das ganze Format, das ganze Konzept... kann nicht funktionieren. Biopics sucken.

Anonym hat gesagt…

lDas ist mit Abstand der beste deutsche Film, den ich jegesehn hab!

C.H. hat gesagt…

Dann hast du wohl noch nicht allzu viele deutsche Filme gesehen... ;-)

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für die gute Kritik! Die trifft den Nagel auf den Kopf: Zu sehr Heike, zu wenig Hilde, aber da Heike gut, dennoch okay.
:-)

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