

Als sich Kate Beckinsale vor der eindrucksvollen Kulisse uralter Gemäuer, deren Silhouetten im Lichtspiel des tosenden Unwetters unheilvoll aufleuchteten, in die Tiefe stürzte um als Vampir-Amazone Selene auf die Jagd zu gehen, war der Überraschungshit des Jahres 2003 geboren. „Underworld“, ein gekonnter Mix aus düsterer und stilisierter Gothic-Optik im Verbund mit durchchoerographierter Action traf bei den Zuschauern ohne jeden Zweifel einen Nerv. Vor dem Hintergrund eines blutigen Krieges zwischen der Herrenrasse aristokratischer und dekadenter Vampire einerseits und deren ehemaligen Sklaven, den Werwölfen, andererseits, entspann sich ein Film der sich zwar zuvorderst das Prädikat „Style over Substance“ erwarb, gleichzeitig jedoch aus diesem Stigma eine Tugend machte. In seiner Summe reichte dies mehr als nur aus, um als spaßiger und schicker Actioner mit Vampir-Topic durchgewunken zu werden. Der große Erfolg des Films an den Kassen, führte dann in der Folge zu dem unvermeidlichen Sequel („Underwold Evolution“). Dieses war zwar optisch um einiges schicker als der Vorgänger, stand ihm doch ein weitaus größeres Budget zur Verfügung, erreichte jedoch zu keinem Zeitpunkt den Charme seines Vorgängers. Es scheint eine unumstößliche Konstante zu sein, dass die „Underworld“-Reihe die vorhandenen Möglichkeiten nie in Gänze auszuschöpfen vermag. Verschenkte man im ersten Teil noch einen großen Teil des Potentials der gar nicht mal so uninteressanten Geschichte, machte man sich im Sequel nicht einmal mehr wirklich die Mühe etwas aus den gestiegenen finanziellen Möglichkeiten zu machen. Nichts desto trotz war auch dieser erste Ableger ein Erfolg, so dass die Saga den Gesetzen des Marktes folgend, weitergesponnen werden konnte. Und da Kate Beckinsale keine Lust mehr auf das enge Latexkostüm hatte, machte man aus der Not eben eine Tugend und drehte mit „Underworld: Aufstand der Lykaner“ einfach ein Prequel, welches die Anfänge des Krieges zwischen Vampiren und Werwölfen beleuchtet.
Diese Entscheidung muss nicht zuletzt deswegen als vielversprechend bezeichnet werden, weil sich in den Anfangsminuten des ansonsten misslungenen Sequels „Underworld Evolution“ mehr als eindrucksvoll gezeigt hatte, wie reizvoll, ja wie stimmig der Transfer der Geschichte ins Mittelalter sein kann. Und so dufte man gespannt sein, wie die endgültige Verortung der Geschichte in das dunkle Zeitalter gelingen würde. Das Ergebnis, das kann ohne jeden Zweifel konstatiert werden, ist als ansprechend zu bezeichnen, auch wenn sich auch dieser dritte Teil in der Hinsicht treu bleibt, als dass er sehr viel Potential ungenutzt am Wegesrand liegen lässt. Die erzählte Geschichte greift dabei die Liebesgeschichte zwischen Lycaner-Führer Lucian (Michael Sheen) und Sonja (Rhona Mitra), der Tochter von Vampir-Fürst Viktor (Bill Nighy), auf, die im ersten „Underworld“ in Rückblenden bereits angedeutet wurde. Gewürzt wird diese Romeo & Julia Variation zwischen Vampirin und Werwolf noch durch eine gehörige Portion Klassenkampf. Lernte man im Sequel noch, dass die Lycaner ursprünglich eine wilde Horde von Bestien waren, die die Möglichkeit sich zu verwandeln verloren hatten, tritt nun mit Lucian der Erste einer Blutlinie auf, der sich nach Belieben verwandeln kann. Einst von Viktor am Leben gelassen, ist er der erste unter den Sklaven, die von den Vampiren in der Folge gezüchtet worden sind. Eine Armee von Lycanern, die unter der Peitsche ihrer Herren in den Steinbrüchen schuften und diese am Tag beschützen. Eine Liebe, die nicht sein darf und der Ruf nach Freiheit - Zwei wunderbare Themen um eine epische Geschichte zu erzählen, wenn Regisseur Patrick Tatopoulos dies denn auch versucht hätte.
Das er es nicht versucht hat, sondern viel mehr routinierte Arbeit von der Stange geliefert hat, ist umso ärgerlicher, weil die erzählte Geschichte sowieso schon von Beginn an ein nicht zu leugnendes Problem hat. Jeder, der den ersten Underworld gesehen hat, kennt die Geschichte in und auswendig, weiß um ihr Ende, weiß um die Stationen dahin. Ein wenig mehr Mut zu eigenen Größe hätte „Underworld: Aufstand der Lykaner“ mehr als nur gut zu Gesicht gestanden, gerade um dieses Problem zu kaschieren. Sowohl die Romeo & Julia - Story, als auch der verkappte Spartacus-Ansatz, hätten eine nicht zu knapp bemessene Portion Epik und dick aufgetragenes Pathos gebraucht. Wenn man schon eine opernhafte Optik wählt, dann sollte man sich durchaus auch trauen das volle Orchester zu mobilisieren und erschallen zu lassen. Trauriger Höhepunkt ist die Hinrichtungs-Szene von Sonja, die mit einer solch unbeteiligten Gleichgültigkeit und Schnelligkeit abgefilmt wird, dass es schmerzt. Dabei ist die gesamte Visualisierung mit ihrer düsteren und blauen Optik, den riesigen Sälen, sowie den zahlreichen Skulpturen im steten flackern der Kerzen, wieder ungemein gelungen. Zudem ist bedingt durch das Mittelalter-Thema alles ein wenig dreckiger und kantiger geworden. Der elegant-glänzende Matrix-Style der ersten beiden Teile wird abgelöst durch das Diktat des blanken Eisens des Schwertes und der Armbrust und derer zerstörerischen Wirkung. Härte, Blut und Brutalität sind diesem Streifen noch weniger fremd, als den ersten beiden Teilen, so dass die in den Film eingestreuten Action-Szenen durchaus zu gefallen wissen. Doch leider hält die Geschichte, wie schon erwähnt, mit dieser visuellen Gefälligkeit nicht mit. Ganz zu schweigen vom bedauerlich unpräsentem und unscheinbarem Score, dem an fast allen Fällen der nötige Druck fehlt. Wie wäre es den mal mit einer Verbindung von symphonischen Metal und Oper gewesen, um mal ordentlich auf den Putz zu hauen? Versäumt es der Film somit an diesen inszenatorischen Stellen zu punkten, überzeugt der Film auf einer Ebene, auf der man es eigentlich nicht erwartet hatte.
Denn gerade auf der schauspielerischen Ebene erweist sich die Entscheidung ein Prequel zu drehen, als ausgesprochener Glücksgriff. So können die zwei stärksten Charaktere der Reihe, die am Ende des ersten Teils gestorben sind, und dort auch nur eine Nebenrolle inne hatten, in den Vordergrund treten. Billy Nighy als Viktor und Michael Sheen als Lucian wissen in ihrem ultimativen Duell mehr als nur zu Gefallen. Dort der aristokratische eiskalte Vampir mit bedrohlich blitzenden blauen Augen, der mit Nighy mit offensichtlichem Spaß an der Freude gespielt wird, und da der leidenschaftliche und charismatische Revolutionsführer Lucian, der mit gleicher Verve bei der Sache ist. Es ist erstaunlich wie sehr Rhona Mitra im Zuge des Duells zwischen diesen beiden Männern in den Hintergrund tritt, und in ihrer Rolle eigentlich auf ein paar amazonenhafte Auftritte beschränkt bleibt. Und das erstaunliche dabei: Das vermag ebenso wenig zu stören, wie das Fehlen von Kate Beckinsale, die nur am Ende des Films in einer schönen Zitation der wohl atmosphärisch eindrucksvollsten Szene der Reihe kurz auftaucht. Nighy und Sheen helfen diesem dritten Teil der Reihe über den Wertungs-Durchschnitt und bügeln das aus, was „Underworld: Aufstand der Lykaner“ vom inhaltlichen her ansonsten versäumt hat, indem sie ihre Rollen mit ein wenig Pathos überzeichnen.
Das in „Underworld: Aufstand der Lykaner“ der Vampir-Mythos im Grunde kaum noch eine Rolle spielt, von einigen Ausnahmen mal abgesehen, vermag indes nicht weiter zu stören. Zu Bemängeln ist viel mehr die Story, die wieder mal zu wenig aus dem Potential der Epic Love Story mit revolutionären Spartacus Anstrich macht, sondern teilnahmslos vor sich hin plätschert. Das ist umso bedauerlich, als das mit Nighy und Sheen zwei Mimen am Werke sind, die sichtlich Freude an ihren Rollen haben und die Optik des Films noch dazu mal wieder zu überzeugen weiß. So ist „Underworld: Aufstand der Lykaner“ zwar ein gefälliger Actioner, der noch dazu um einiges runder ist als das Sequel, gleichzeitig aber auch ein Film, der an jenen Stellen viel zu leise und zu schüchtern ist, wo opernhafter Pathos mal wirklich am richtigen Platz gewesen wäre. Dennoch: Freunde der ersten beiden Teile werden auch an diesem drittem Teil Gefallen finden, so sie nicht nicht zu sehr auf Beckinsale als Aushängeschild des Franchise fixiert sind. - Fazit: 6 von 10 Punkten.
Rezension erschienen bei Wicked-Vision
Quellennachweis: Abbildungen aus "Underworld: Aufstand der Lykaner". © Sony Pictures






5 Kommentare:
war der Überraschungshit des Jahres 2003
Aber auch nur dein persönlicher, der lief nämlich weder in USA noch in D so gut, dass man ihn als "Hit" bezeichnen könnte *mecker*
Naja,Den Produktionskosten von circa zwanzig Millionen Dollar stand am Ende ein weltweites Einspielergebnis gegenüber, dass sich auf circa 100 Millionen Dollar belief – Der Ertrag aus den DVD-Verkäufen noch nicht einmal eingerechnet. Das kann man doch mal als Erfolg bezeichnen, oder? ;-)
Dass ein vierfaches Einspiel ein Erfolg ist, bestreite ich nicht einmal. Aber dass es der Überraschungshit des Jahres gewesen sein soll, klingt für mich irgendwie wenig überzeugend, wenn ich mir ansehe wo der Film letztlich in der Zuschauergunst gelandet ist. Aber egal, geht ja hier nicht um den ersten (und einzig halbwegs brauchbaren) Teil, sondern um den dritten. ;)
Als ein Überraschungserfolg war Teil 3 bestimmt nicht, aber ein recht anständiger FIlm der leider nicht mit den ersten beiden Teilen konkurieren kann.
Ne, von Überraschung kann in der Tat keine Rede sein. Das war auch nur auf den ersten Teil bezogen. "recht anständig" trifft es ganz gut. Allerdings würde ich dir in der Hinsicht widersprechen wollen, als das dieser dritte Ableger nicht mit dem Zweiten konkurrieren könne. "Underworld - Evolution" halte ich nämlich für ziemlich verkorkst... ;-)
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