Rezension: "Illuminati"















Dan Brown ist für den Vatikan ein rotes Tuch, in der internen Beliebtheitsskala der Kirche dürfte wohl nur nur noch der Leibhaftige höchst selbst hinter ihm rangieren. Diesen Nimbus hat sich Brown mit seinen Büchern durchaus hart erarbeitet. „Sakrileg“ und „Illuminati“, so die deutschen Titel der wohl zwei bekanntesten seiner zahlreichen Bestseller, offerieren nicht nur ein ziemlich krudes Sammelsurium an Verschwörungstheorien, sondern zeichnen ein Bild der katholischen Kirche und deren Geschichte, die den zentralen Säulen eben dieser diametral gegenübergestellt ist. Ob nun Browns Diktum von einem mit Maria Magdalena verheirateten Jesus inklusive leiblicher Nachkommen, oder aber die Bedrohung der Kirche durch eine umfassende Verschwörung der Illuminati, stets baut Dan Brown in seinen Romanen auf die suggestive Kraft des Mystischen und der dunklen Geheimnissen der Geschichte. Im Verbund mit seinem luziden und durchaus anregendem Schreibstil, ergibt sich aus diesem inhaltlichen Pulp eine ganz und gar wunderbare Strandlektüre für zwischendurch. Mehr aber auch nicht. Man mag sich gar nicht ausmalen was in den Köpfen derer vorgeht, die den von Brown in seinen Romanen propagierten Unsinn tatsächlich ernst nehmen. Wie dem auch sei: Der unfassbare Erfolg der Bücher macht eine Verfilmung von Browns Vorlagen zu einer fast logischen Konsequenz in den Mechanismen der Unterhaltungsindustrie.


Und so wurde Regisseur Ron Howard vor drei Jahren mit der Aufgabe betreut The Da Vinci Code – Sakrileg“ zu inszenieren, was dieser - unterstützt durch eine hochkarätige Riege von Darstellern (Tom Hanks, Audrey Tautou, Ian McKellen, Jean Reno, Alfred Molina) - auch prompt in Angriff nahm. Der endgültige Film, glaubt man den Worten der relativ einhelligen Kritik zu „Sakrileg“, mühte sich jedoch vergeblich den Geist und die Dynamik der literarischen Vorlage einzufangen und wurde quasi unisono als „misslungen“ gebrandmarkt. Das zu diesen Meinungen auch Gegenpositionen existent sind, manifestiert sich unter anderem in dem Standpunkt des Autors dieser Rezension, der „The Da Vinci Code – Sakrileg“ jüngst als einen virtuos bebilderten und mit einem grandiosen Score ausgestatteten Film adelte. Und auch das allgemeine Publikum scheint dem Film nicht so ganz abgeneigt gewesen zu sein, spielte der Streifen doch weltweit mehr als 700 Millionen Dollar ein. Dies dürfte der Film ironischerweise nicht zuletzt auch dem Vatikan zu verdanken haben, der im Vorfeld des Release erwartungsgemäß Zeter und Mordio schrie, zum Boykott des Films aufrief – und damit erwartungsgemäß das Gegenteil bewirkte. Vielleicht hielt man sich auch deshalb im Falle von „Illuminati“ mit überlauter Kritik zurück, und beschränkte sich ein wenig bockig darauf, Howard und seiner Crew die Drehgenehmigung innerhalb des Hoheitsgebiets von Vatikan-Stadt zu versagen.


Der Gegensatz zwischen Religion auf der einen und der Wissenschaft auf der anderen Seite, ist das Zentrum, um den Howard die Schnitzeljagd durch den Vatikan angelegt hat. Während der Film mit dem Tod des Heilgen Vaters eröffnet, der die alten und geschichtsträchtigen Rituale der Papstwahl einläutet, schneidet Howard in der nächsten Szene in die Forschungseinrichtung für Kernforschung (CERN) um, und macht so den von ihm konstruierten Gegensatz zwischen Spiritualität und Säkularisierung auch bildlich deutlich. In dieser Forschungseinrichtung gelingt es der Physikerin Vittoria Vetra (Ayalet Zurer) zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit Antimaterie in einer signifikanten Menge herzustellen. Doch dann geschieht das Unfassbare: Ihr Kollege wird ermordet, und die Antimaterie – eine hochexplosive Angelegenheit – entwendet. Kurze Zeit später geht im Vatikan eine Bekennervideo ein: Der Geheimbund der Illuminati ist zurück und kündigt an zu jeder vollen Stunden einen der von ihnen vier entführten Kardinäle, die gleichzeitig auch als Favoriten der aktuellen Papstwahl gelten, öffentlich zu ermorden und schließlich um Mitternacht den Vatikan an sich zu zerstören. In höchster Not wendet sich die Kirche an den berühmten Symbologen Robert Langdon (Tom Hanks), der als einziger in der Lage scheint die codierten Mitteilungen der Illuminaten zu entschlüsseln.


Mit über zwei Stunden Spielzeit ist auch „Illuminati“ wieder ein relativ langes Vergnügen geworden, doch auch hier gilt, dass der Film auf Grund der ereignisreichen und verschränkten Struktur des Romans Anpassungen vornehmen musste. Einiges, was somit in der Vorlage noch thematisiert wurde, findet im Film keine Erwähnung. Vieles wurde im Vergleich zum Roman aber auch direkt geändert. Anpassungen, die der Intention oder der Funktionalität der Geschichte zwar nichts anhaben können, wohl aber in gewisser Weise doch ein wenig die Gewichte verschieben. Es wäre nicht ohne Relevanz zu erfahren, was die Macher des Films um Howard zu diesen Änderungen bewogen hat, offensichtlich erscheint jedoch, dass „Illuminati“ einiges entschärft hat, der katholischen Kirche in gewisser Weise damit sogar schont, und in der letztlichen Konklusion des Films dezidiert für Verständnis zwischen „moderner“ Wissenschaft und Religion plädiert. Nicht dass Missverständnisse aufkommen, der Subtext von „Illuminati“ erreicht höchstens eine Tiefe, die dem Wasserstand der Nordsee bei Ebbe entspricht, nichts desto trotz ist das Bemühen um Ausgleich offensichtlich. In erster Linie ist „Illuminati“ aber natürlich die erwartete Hatz durch geschichtsträchtige Straßen und Gemäuer. Das diese zwar ohne jeden Zweifel spannend inszeniert ist, aber niemals die gleiche Faszination entfalten kann, wie sie in der literarischen Vorlage evoziert wird, ist dem limitierenden Faktor der Zeit geschuldet. Wo sich Dan Brown im Roman auf vielen Seiten detailliert auslassen konnte, stehen nunmehr nur wenige Filmminuten zur Verfilmung.


Unter dem Zeitmangel leiden vor allem die in „Illuminati“ gezeichneten Figuren und damit auch die Schauspieler in ihren Rollen. Mal abgesehen von Tom Hanks als Robert Langdon, der natürlich stets im Zentrum des Geschehens steht, kommen andere Protagonisten zu kurz. Dies gilt insbesondere für Zurers Figur Vetra. Nicht nur, dass im Film ihr persönliches Rachemotiv wegfällt (Im Roman wird ihr Vater von den Illuminaten ermordet, im Film „nur“ ein Kollege), auch die im Roman angedeutete Romanze zwischen ihr und Langdon fällt völlig unter den Tisch. Gereicht das ihrer Rolle nicht gerade zum Vorteil, ist sie doch somit bloße Staffage, so ist der Verzicht von Howard auf Teufel komm raus eine Love Story in den Film hinein zu romanzen, und sich somit verstärkt auf die Stringenz der Narration zu fokussieren, zu unterstützen. Von all den Nebenrollen weiß somit noch am ehesten Ewan McGregor in der Rolle des Camerlango zu überzeugen. Eine dominant-prägende Nebenrolle, wie sie in „The Da Vinci Code – Sakrileg“ noch in der Person des großartigen Ian McKellen zu finden war, geht „Illuminati“ jedoch ab. Tom Hanks hingegen weiß in der Rolle des Professors wieder überaus gut zu gefallen. Man nimmt ihm sein Glänzen in den Augen einfach ab, wenn er mit behutsamen Bewegungen in den Kostbarkeiten des Vatikanischen Archivs blättert.


Letztlich lebt „Illuminati“ aber natürlich von seiner Atmosphäre. Rom und der Vatikan geben eine wunderbare Kulisse für den Film ab, der sich diese Mystik ja zu erklärten Funktionsvorrausetzung gemacht hat. Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang auch wieder der Score von Hans Zimmer, der auch hier wieder ganze Arbeit geleistet hat. Episch, monumental und eindringlich hat er eine musikalische Untermalung für den Film geschaffen, der durch Choräle dominiert und geprägt wird. Wenn am Anfang und am Ende, in leicht abgewandelter Form, das schon im Vorgänger gebrauchte Theme „Chevaliers de Sangreal“ erklingt, eine der besten Kompositionen Zimmers überhaupt, dann weiß der Zuschauer sofort wo er sich befindet, und was ihm in den folgenden zwei Stunden erwartet. Mit anderen Worten: Wer den ersten Teil „Sakrileg“ mochte, wird - da kann man sich ziemlich sicher sein - auch „Illuminati“ zu goutieren wissen. Wer jedoch schon mit dem ersten Teil nichts anfangen konnte und Ron Howard sowieso für einen Stümper hält, der sollte tunlichst einen Bogen um diesen Film machen, der nämlich so ziemlich auf dem Niveau des Vorgängers spielt. - Fazit: 8 von 10 Punkten.


Quellennachweis: Abbildungen aus "Illuminati". © 2009 Sony


22 Kommentare:

klarseher hat gesagt…

Der Film ist eine Lüge, die Eliten tanzen schon seit Tausenden von Jahren lachend auf unseren Gräbern, sie folgen uns, wohin wir auch fliehen, sie verstecken sich in unseren Kühlschränken und kommunizieren auf unhörbaren Frequenzen mit unserem Gerhin, ich darf den Kühlschrank nicht öffnen, sonst erwischen sie mich...

Franzi hat gesagt…

Ich fand den Film toll. Einer der wenigen Filme die ich mir anschauen kann obwohl ich das Buch vorher gelesen habe. Und ich LIEBE Tom Hanks.

@klarseher: Kühlschränke waren mir schon immer suspekt^^

lalia hat gesagt…

ich mag Tom Hanks als Robert Langdon überhaupt nicht. robert Langdon ist für mich ein Professor mit grauen Schläfen mit Sexapeal und einer sanften Stimme.
Das Buch Illuminati ist der erste Teil unseres symbolphilen Freundes und an sich gut durchdacht. gerade der Twist zwischen Wissenschaft und Religion finde ich sehr gelungen, und manche Ansätze auch überlegenswert. Zudem werden "wahre" Befunde der Geschichte eingeflochten, die einem Historiker erfreuen!
Doch das Motiv des Attentäter wegzulassen, finde ich eine Schande für das Drehbuch.
Am Ende bleibt eine unterhaltsame Samstagabend Schnitzeljagd übrig mit einer wirklich guten Musikuntermalung.

JMK hat gesagt…

Tom Hanks?
Mieser langweiliger Schauspieler, da ist mir ja Mel Gibson noch lieber, über den kann man sich wenigstens aufregen:-)
Passt aber somit perfekt in Ron Howards Filme.

Franzi hat gesagt…

Was? Tom Hanks ist nicht sexy? Ich bitte euch^^, wenn er so schief von der Seite guckt und eine Augenbraue hochzieht, ist er, finde ich, für sein Alter schon ein attraktiver Mann. Aber mit der Stimme hast du Recht. Da passt die Synchronstimme überhaupt nicht.

Flo Lieb hat gesagt…

Da muss mehr Sex rein! Finde Orlando Bloom hätte die Hauptrolle übernehmen sollen. Oder Zac Efron.

C.H. hat gesagt…

Zu Hanks: Die Synchronstimme war wirklich nicht toll. Zum Glück ein Problem, dass sich mit der DVD dann erledigt hat. ;-)

tumulder hat gesagt…

Ich glaube Tom Hanks Synchronstimme wird das kleinste Problem des Filmes sein.*gg*

Aber nun gut, ich will nicht über einen Film lästern, den ich nicht kenne. Wie langweilig ist der denn jetzt wirklich?

C.H. hat gesagt…

Langweilig? Nicht eine Sekunde... Ok, du schläfst bestimmt ein. ;-)

lalia hat gesagt…

Sex and Crime - so muss ein Film sein ;)

JMK hat gesagt…

Sex, Crime, Hanks, ich glaub mir ist gerade so blümerant :-)

Dan Brown hat gesagt…

Jesus, what kind of pot did you smoke?

Rajko Burchardt hat gesagt…

8/10 für den Kirchen-Trash... was los, C.H., schlägt dir die Kinoflaute auf den Magen? *gg*

lr hat gesagt…

Oh, es gibt so viele widersprüchliche Meinungen zum Film - ich denke den muss ich mir dann doch demnächst anschaun!

Candide hat gesagt…

Habe den Film zwar auch nicht gesehen (und werde dies wohl auch nicht tun) aber eine Aussage von dir veranlasste mich zu einem Kommentar
Von welchen zahlreichen Bestsellern sprichst du bitte?

"Illuminati" war sein Durchbruch, "Diabolus" und "Meteor" schwammen lediglich auf dessen Erfolgswelle mit und sind nicht unebdingt empfehlenswert. Auch "Sakrileg" fand ich nicht mehr so ansprechend und außerdem gab es ja damals die kuriose Plagiats-Klage.

Das neue Buch von Dan Brown (das sich immer um Langdon dreht) werde ich wohl kaum mehr kaufen, sein Horizont scheint sehr begrenzt und sein mit anderen Worten nach Illuminati war die Luft raus.

Nicht das wir uns falsch verstehen: Als Pulp funktioniert Illuminati sehr gut und ich fand auch die Spannung sehr packend. Das Buch ist m.E. eh schon so geschrieben als dass man es perfekt für die Leinwand adaptieren kann, jedenfalls hatte ich während des lesens ständig schon einen Kinofilm vor Augen.

Den ganzen Hype kann ich dennoch nicht nachvollziehen genauso wenig wie viele Dan Browns Tagträumereien für bare Münze halten. Gut dass du ausdrücklich im Review darauf hinweist, hatte nämlich erst neulich ein Gespräch wo der Kinobesucher tatsächlich der Meinung war die (geschichtlich betrachteten) Illuminati hätten was mit einer Vatikan-Verschwörung zu tun ;)

Spätestens als ich deine Lobpreisungen an den von mir (meistens) verachteten Hans Zimmer lesen musste war mir klar: Für Illuminati werde ich keinen Cent ausgeben, jedenfalls nicht im Kino.

Vielleicht hole ich mir später die Verleih-DVD um über den Film herzuziehen :P

C.H. hat gesagt…

@ Rajko:

Hey Rajko, du weisst doch das ich mich diesem Kirchen-Trash (wie auch schon im Falle von Sakrileg) sehr gerne hingebe. ;-)

@ Candide:

Ich selbst hab nur die beiden Langdon-Filme gelesen. Aber hat sich dann in der Folge nicht jedes Buch von Brown wie blöd verkauft? Deswegen Bestseller. Naja, und wer diesen Kram ernst nimmt, dem ist eh nicht mehr zu helfen. ;-)

Candide hat gesagt…

Als Diabolus war sein Debüt und das war der totale Flop. Dann kam Meteor und das war auch nicht gerade der Kracher. Seit Illuminati ein Bestsellter wurde, wurden die ersten beiden Bücher mit sehr ähnlichen Coverstyle wie Illuminati neu aufgelegt um die Hypewelle zu nutzen.

tumulder hat gesagt…

Komm gib es zu, du wolltest mit deinen 8 Punkten nur ein wenig Aufsehen in der Blogosphäre erhaschen.^^

C.H. hat gesagt…

Höhö :D Zum Glück werd ich bei den werten Kollegen öfters mal verlinkt, was deine These der singulären und provokanten Hatz nach Aufsehen schon mal ad absurdum führt. ;-) Ich darf im übrigen noch mal anmerken, dass ich jedes Wort meiner Rezension unterschreibe. Aber ich gebe zu: 7 Punkte hätten es ohne Probleme auch getan, doch war mir durchaus das Setzen eines konkreten Zeichens, nenn es von mir aus das Spiel mit der Wertung, ein Bedürfnis. Ich kann mich nämlich nicht dem Eindruck erwehren, dass pauschales Howard-Bashing so langsam zu einer gerne gepflegten Mode eines sich im Selbstverständis als elitär begreifenden Kritikerzirkels - und ich nehme mich da beileibe nicht aus - wird. Ich denke, dass es bestimmt einige gibt, die "Illuminati" ohne Probleme meinetwegen 4 statt 3 Punkte gegeben hätten, wenn nicht gerade Howard auf der Verpackung stehen würde. Man muss sich in der Tat mal fragen, warum ein Film der von der breiten Masse geliebt wird, von der Kritik zerissen wird. Ich denke man macht es sich zu einfach auf den Sequel- und Starcharakter des Films zu verweisen...

tumulder hat gesagt…

Man muss sich in der Tat mal fragen, warum ein Film der von der breiten Masse geliebt wird, von der Kritik zerissen wird.

Ja, darüber kann man wirklich mal nachdenken. Ob die Kritiker nicht einen an der Waffel haben, und ob wir nicht nach Besucher-, Verkaufs- und Einschaltquoten bewerten sollten. Also, die Bildzeitung kann ja gar nicht schlecht sein, RTL ist ein Sahnesender und Heidi Klum eine Spitzenentaiternerin. Nicht zu vergessen die Erfolge Dieter Bohlens mit Modern Talking und Co., die darauf schließen lassen, daß das wirklich gut sein muß, was seine Bontempiorgel da produziert hat. Hat sicherlich alles eine Existenzberechtigung, aber gut ist was anderes.;)

lalia hat gesagt…

nur so ein Gedanke: ich glaube viele der "bloggersphäre" dissen Blockbuster einfach, weil sie so mainstram sind. Doch darum sind es ja Blockbuster, weil sie innerhalb einer kurzen Zeit, viel Geld einspielen (müssen).

Deswegen müssen es keine schlechten Filme per se sein. Bis jetzt hat mich jeder Film vollauf unterhalten. Was nicht bedeutet, dass ich sie auf DVD haben muss.

xander81 hat gesagt…

Habe dann jetzt auch mal Illuminati gesehen - ziehe drei von deinen Punkten ab, und wir sind einer Meinung ;-)

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