

Mit dem Glauben an den American Dream ist es auf dem alten Kontinent nicht sonderlich weit her. Die schöne Vorstellung, dass ein jeder Mensch all seine Ziele erreichen kann, wenn er nur hart genug arbeitet und an sich glaubt, wird gerne mit einem müden Lächeln bedacht und mit einem Verweis auf den „großen Philosophen Mick Jagger“ („You cant't always get what you want“) ins Reich der Mythen verbannt. Die Amerikaner aber lieben diesen Traum und werden nicht müde, diesen immer wieder auf Zelluloid zu bannen. Manchmal führt dies zu echten Klassikern der Filmgeschichte. Man munkelt jedenfalls, dass sich selbst verbiestert dreinschauende Realisten beim Antlitz der jungen Julia Roberts in „Pretty Woman“ ein glückseliges Lächeln nicht verkneifen konnten. In den meisten Fällen aber werden diese Filme, siehe zum Beispiel auch „Das Streben nach Glück“, von der (hiesigen) Kritik außerordentlich zurückhaltend aufgenommen, während der Abgesang auf den American Dream stets euphorisch besprochen wird (siehe den modernen Klassiker „American Beauty“). An diesem Sachverhalt kann auch der stets marktstrategisch günstig platzierte Hinweis „Basierend auf einer wahren Geschichte“ nichts ändern. Nichts lieben die Amerikaner nämlich mehr, als wenn der Amerikanische Traum nicht nur ein Traum ist, sondern zu einer realen Geschichte wird, die das Leben geschrieben hat. Von solch einer wahren Geschichte handelt auch „Blind Side – Die große Chance“. Ein Film, der nicht nur für den Oscar als Bester Film nominiert gewesen ist, sondern dem Sandra Bullock nun auch ihren ersten Goldjungen zu verdanken hat. Und während das Feel Good Movie in den Staaten ziemlich wohlwollend besprochen wurde, fällt die Kritik auf der anderen Seite des großen Teiches nun erwartungsgemäß deutlich zurückhaltender aus (was legitim ist), nimmt aber in Teilen sogar Züge an, die in ihrer arroganten Selbstgerechtigkeit von Zeit zu Zeit sogar richtig peinlich sind.
„Blind Side – Die große Chance“ erzählt die wahre Geschichte von Michael Oher (Quinton Aaron), der es in seinem Leben nicht wirklich einfach hatte. Die Mutter drogenabhängig, sein Vater direkt nach der Geburt verschwunden, wuchs der zurückhaltende Hüne in verschiedenen Heimen und Pflegefamilien auf, aus denen er aber immer wieder flüchtete. Sein Weg führt ihn schließlich eines Tages an die christlich geprägte Wingate School. Seine Aufnahme geschieht nicht etwa aus christlicher Nächstenliebe, sondern weil der Coach das enorme sportliche Potential des Jungen erkennt. Bei seinen Mitschülern bleibt der einzige Afroamerikaner an der Schule stets ein Außenseiter, die Lehrpläne überfordern den Jungen. Durch Zufall kommt er eines Tages mit Sean (Jae Head), dem jungen Spross wohlhabender Eltern in Kontakt. „Wer das denn bitte sei?“ fragt ihn dessen Mutter, Leigh Anne Tuohy (Sandra Bullock) als sie ihren Filius mit „Big Mike“, wie Michael von allen nur abschätzig genannt wird, sieht. Einen Tag später wird die resolute Leigh Anne „Big Mike“, in der Kälte der Nacht frierend, einsam und verlassen und auf der Straße stehend, wiedersehen und ihn mit zu sich nach Hause nehmen. Und so kommt es, dass Michael von Leigh Anne, einer Innenarchitektin, und deren Mann Sean (Tim McGraw), dem Eigentümer von dutzenden Fast-Food-Restaurants, in deren Familie aufgenommen wird. Michael Oher wird am Ende endlich ein Heim und eine Familie gefunden haben, seinen nicht für möglich gehaltenen Schulabschluss machen, zur Uni gehen und schließlich 2009 seinen Durchbruch in der NFL schaffen.
„Blind Side – Die große Chance“ ist nun, was seine Inszenierung angeht, ebenso konservativ veranlagt, wie das auch für die inhaltlichen Aspekte gilt. Der für das Genre völlig typische und damit wenig überraschende Handlungsablauf, kennt in seiner teleologischen Stoßrichtung keine Zweifel. Am Ende, das ist klar, wird das große Märchen vom wundersamen Aufstieg eines nie geförderten und stets benachteiligten Jugendlichen in Erfüllung gehen. Der Weg dorthin ist, zumindest im Film, nicht gerade steinig, sondern verläuft wie auf Schienen, einzig unterbrochen von den gängigen Spannungskurven filmischen Erzählens; unterstützt durch die stets wohlplatzierte musikalische Untermalung. Weder ist John Lee Hancocks Regie in irgendeiner Weise sonderlich bemerkenswert, noch handelt es sich bei „Blind Side“ um einen großartigen Film. Wohl aber ist es natürlich ein schöner Film, auch ein gelungener Film, so man diese „wahren“ Märchen gerne sieht. Neben dem Newcomer Quinton Aaron ist es vor allem Sandra Bullock, die im Fokus des Interesses steht, und ihre Leistung mit dem damit verbundenen Oscargewinn ist es nun auch, die „Blind Side“ diese Aufmerksamkeit beschert. Mit blondierten Haaren, viel Leidenschaft und Engagement hat sich Bullock in die Rolle der resoluten und großherzigen Mutter gestürzt, und ihre bisherigen Rollen damit eindrucksvoll in den Schatten gestellt. Sie spielt diese Rolle gut, man nimmt ihr den Auftritt jeder Zeit ab, und dass sie sich dieses Jahr nicht nur den Oscar, sondern auch die Goldene Himbeere persönlich abgeholt hat, lässt sie in diesem Zusammenhang gleich noch um einiges sympathischer erscheinen, als ohnehin schon.
So weit, so harmlos. Dass „Blind Side – Die große Chance“ nun aber von einigen Seiten harsche Kritik entgegen schlägt, hat vor allem auch etwas mit der politisch-gesellschaftlichen Verortung des Films zu tun, aus dem das Drehbuch und die Beteiligten zu keinem Zeitpunkt einen Hehl machen. „Blind Side“ ist ein idealisiertes Plädoyer für den Lebensentwurf des republikanischen Flügels der amerikanischen Gesellschaft. Aus der politischen Einstellung der Tuohys macht der Film kein Geheimnis, ganz im Gegenteil, er wird es nicht müde zu betonen: "If you so much as set foot downtown you will be sorry. I'm in a prayer group with the D.A., I'm a member of the NRA and I'm always packing." Dass weite Teile der europäischen Kritik angesichts solcher Sätze erst einmal missbilligend den Kopf schütteln (ich eingeschlossen) scheint verständlich. Nicht nachzuvollziehen ist es aber, wenn „Blind Side – Die große Chance“ wegen dieser politischen und gesellschaftlichen Ansichten, die sich in diesen zwei Sätzen verdichtet wiederfinden, a priori zum Teufel gewünscht wird. Man muss die in dem Film propagierten gesellschaftlichen Werte und Normen nicht teilen, wohl aber sollte man im Hinterkopf behalten, dass es sich in diesem Fall um ein Spannungsfeld divergierender kultureller Mentalitäten handelt, das sich jenseits und diesseits des Atlantiks befindet. Man sollte es also tunlichst unterlassen dem Film (und damit knapp der Hälfte der [wählenden] amerikanischen Bevölkerung) per se Reaktionismus zu unterstellen, nur weil er – überspitzt formuliert – das Tragen einer Waffe zum verfassungsmäßigen Grundrecht erklärt. Wohl aber muss sich der Film schon die Frage gefallen lassen, ob er in seinem Gutemenschen-Republikanismus nicht einen ziemlich unreflektierten utopischen Wunschzustand Vorschub leistet, also in gewisser Weise ebenso pauschalisiert, wie die Kritiker, gegen die ich den Film im Vorigen in Schutz genommen habe.
Neben der konservativen Ausrichtung ist es dann vor allem noch der von einigen Seiten dem Film attestierte latente Rassismus, dem ein Teil des Publikums übel aufstößt. Freilich, offenen - und somit vorsätzlichen Rassismus - will in „Blind Side – Die große Chance“ niemand entdecken. Aber ist die im Film auf den ersten Blick klar getroffene Unterscheidung in weiße Oberschicht und schwarzer Unterschicht nicht offenkundiger Beweis für diesen latenten Rassismus? Das also dem schwarzen Jungen nur geholfen werden kann, wenn er die Lebensweise des weißen Mannes annimmt, während seine schwarze Bekannten im Ghetto hocken und Drogen konsumieren? Auch in diesem Fall wird „Blind Side – Die große Chance“, und das ist der größte Vorwurf, den man ihm machen machen muss, seine mangelnde Reflektion zum Verhängnis. Der Film übersieht, dass er in seiner arg vereinfachenden Darstellung Vorurteilen und Stereotypen Vorschub leistet. Wenn man denn will, kann man dies als latenten Rassismus bezeichnen, doch ist für mich dieser Vorwurf nicht so zwingend, wie er von vielen Seiten erhoben worden ist. Fairerweise müsste man diese Kritiker dann nämlich auch fragen, wie sich diese Stereotypen in der Darstellung hätten vermeiden lassen sollen? Auf Zwang noch einen wohlhabenden Schwarzen und einen koksenden Weißen in die Geschichte implementieren? Oder kann man nicht auch erwarten, dass das Publikum die Singularität dieser Geschichte erkennt?
Die größte Chance, diesem Problem einen Lösungsansatz entgegenzustellen, wäre sicherlich die intensivere Beschäftigung mit Michael Oher gewesen. Dieser wird in „Blind Side“ jedoch weitestgehend fremdbestimmt gezeigt, was von einigen Seiten durchaus mit der Metapher vom dressierten Schoßhündchen hämisch kommentiert worden ist. Es ist durchaus ein wenig schade, dass sich der Film so auf seinen stringenten Feel-Good-Charakter beschränkt und sich zu wenig mit den Gedanken und Gefühlen seiner Protagonisten beschäftigt. Erst am Ende lässt der Film Leigh Anne Tuohy darüber nachdenken, ob sie überhaupt richtig, also nach dem Willen von Michael, gehandelt hat. Und erst am Ende lässt der Film Michael zum ersten Mal richtig selbst das Wort für sich ergreifen und klare Position beziehen. Zu diesem Zeitpunkt ist es jedoch schon reichlich spät, um dies noch als ernsthafte Reflektion werten zu können. Was somit bleibt, ist ein konventioneller, manchmal pathetischer und kitschiger Film nach einer wahren Begebenheit, der ein sehr wohl unterhaltender, und auf Grund seiner tollen Darsteller auch bewegender Film geworden ist. „Blind Side – Die große Chance“ ist also mit Sicherheit kein Meisterwerk, keinesfalls ist es aber auch der Schund, als den ihn manche gerne sehen würden. Vielleicht sollten wir alle, also wir Kritiker, die sich positiv wie negativ das Maul über diese Geschichte zerreißen, mal Michael Oher fragen, wie er selbst zu dieser Debatte steht. - Fazit: 7 von 10 Punkten.
Quellennachweis: Abbildungen aus "Blind Side - Die große Chance". © 2010 Warner






16 Kommentare:
Dachte mir schon dass Deine Besprechung im Gegensatz zu anderen Blogger-Kollegen etwas positiver ausfallen wird. Die Rezension kommt allerdings ein bisschen so rüber als möchtest Du es allen Recht machen und ich glaub bei derlei Aussagen und offenkundigen politischen Richtungen sollte man schon eine klare Position beziehen und nicht beschönigen bzw. die Sache klein reden.
Von daher gefällt mir das Review von Rajko um Längen besser weil es schlicht gesagt ehrlicher wirkt, sorry nichts für Ungut ;-)
Ich habe "Blind Side" noch nicht gesehen und werde wohl auf die Leih-Version warten. Nach all den Debatten im Netz muss ich irgendwann doch auch meinen Senf dazugeben können oder? :-)
sorry nichts für Ungut ;-)
Das ist schon in Ordnung. Konstruktive Kritik ist immer gerne gesehen. ;-)
Allerdings muss ich mich dann doch gegen ein, zwei Dinge verwehren. Ich bin nicht der Meinung, dass ich die Dinge beschönige: Ich benenne die republikanische Ausrichtung von "Blind Side" ebenso überdeutlich, wie den Vorwurf des angeblich dem Film innewohnenden latenten Rassismus. Was diesen Punkt angeht, habe ich auch deutlich gemacht, dass der Film für mich nicht rassistisch ist. Nennt mich von mir aus kleinkariert, aber ich sehe dann doch einen Unterschied zwischen Rassismus und sicherlich in „Blind Side“ mitschwingenden Vorurteilen. Rassismus ist ein schwerwiegender Vorwurf, und mal sollte den Begriff nicht inflationär gebrauchen. Was dieses republikanische Grundideal angeht, das dem Film sicherlich innewohnt, so muss ich sagen, dass ich nicht verstehe, warum auf dem Film, nur weil er dieses Etikett trägt, hierzulande so eingeschlagen wird. Wir wollen mal nicht vergessen, dass "Bind Side" ein amerikanischer Film ist, dessen kolportierte Werte von - im Moment - etwas weniger als der Hälfte der wählenden amerikanischen Bevölkerung geteilt wird (die nämlich die Republikaner wählen). Und ich weigere mich einfach diese politische Position, die einer völlig anderen als der europäischen Mentalität entspringt, einfach so und pauschal zum Teufel zu jagen. Aber das muss und darf natürlich jeder für sich entscheiden.
Deswegen will ich es bestimmt auch nicht Allen recht machen. Mehr als ein Satz meiner Besprechung (und dieses Kommentars) ist hochangreifbar und äußerst diskutabel. Von Konsens keine Spur. Über die „Rezension“ von Rajko möchte ich hier eigentlich nicht sprechen, aber wo du diese doch ehrlicher findest, will ich dann doch etwas dazu sagen. Ich vermag nicht zu erkennen, wie eine so subjektive (jaja, jede Besprechung ist standortgebunden) Hasstirade, die in den Kommentaren offen eingesteht, dass sie sämtliche guten Aspekte die der Film ja offensichtlich auch hat (z.B. Bullock, vgl. Kommentar 10 bei FB) ebenso willentlich ignoriert, wie alles, was der gewünschten Argumentation zuwider läuft, ehrlicher sein soll. Nur, weil der Rezensent keinen Hehl aus seiner Abscheu macht? Meiner Meinung hat dieser Text seine Aufgabe als Filmrezension, die zumindest ein wenig argumentieren und nicht nur polemisieren sollte, verfehlt.*
*Und wenn Rajko das lesen sollte: Ich hab deine Texte oft genug lobend erwähnt, jetzt läuft es eben mal in die andere Richtung. Du wirst sicher damit leben können. ;-)
Ich benenne die republikanische Ausrichtung von "Blind Side" ebenso überdeutlich, wie den Vorwurf des angeblich dem Film innewohnenden latenten Rassismus. Was diesen Punkt angeht, habe ich auch deutlich gemacht, dass der Film für mich nicht rassistisch ist.
Stimmt aber Du beschönigst indem Sinne dass Du dann wiederum schreibst:
Wenn man denn will, kann man dies als latenten Rassismus bezeichnen, doch ist für mich dieser Vorwurf nicht so zwingend, wie er von vielen Seiten erhoben worden ist. Fairerweise müsste man diese Kritiker dann nämlich auch fragen, wie sich diese Stereotypen in der Darstellung hätten vermeiden lassen sollen?
Ist das wirklich Deine Frage an die Kritiker dazu?
Da der Film auf einer wahren Geschichte basiert und somit Realitätsansprüche erhebt, sollte NATÜRLICH der Rassismus offenkundig gezeigt werden, es gibt aber hier genug Mittel um dies in ein kritisches Licht zu stellen oder wie Du selbst schreibst: es wird hier zu wenig reflektiert.
Wie gesagt ich hab den Streifen noch nicht gesehen, deshalb will ich erst gar nicht groß darüber debattieren weil mir einfach die Basis fehlt.
Und ich weigere mich einfach diese politische Position, die einer völlig anderen als der europäischen Mentalität entspringt, einfach so und pauschal zum Teufel zu jagen
Bitte wenn Du meinst, aber damit wir uns verstehen: es geht hier nicht darum die Individuen einer Wählerschaft zu verurteilen sondern wenn schon eine Ideologie oder vielmehr eine politische Einstellung, hier besteht für mich nämlich ein klarer Unterschied.
Dieselbe "Pauschalisierung" würde ich an der Mehrzahl der deutschen, italienischen oder sonstigen "politischen Positionen" betreiben, keine Sorge ;-)
Ist das wirklich Deine Frage an die Kritiker dazu?
Allerdings, und ich habe darauf bislang keine überzeugende Antwort bekommen. Dass, was du vorschlägst, nämlich das Rassismusproblem an sich noch groß zu thematisieren, läuft doch dann der gewollten Natur von Blind Side völlig zuwider: Das ist ein kleines, unbedeutendes Feel Good Movie, nach dessen Besuch man sich gut fühlen soll, und kein Aronofsky der eine Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttern will (siehe das Suchtthema bei "RoadD").
*Und wenn Rajko das lesen sollte: Ich hab deine Texte oft genug lobend erwähnt, jetzt läuft es eben mal in die andere Richtung. Du wirst sicher damit leben können. ;-)
Ich werd's überleben. :)
"...ob er in seinem Gutemenschen-Republikanismus nicht einen ziemlich unreflektierten utopischen Wunschzustand Vorschub leistet..."
...und sich dabei selbst ins knie fickt? denn "gutmensch" ist ja der diss par exelence, wenn es gilt, aus konservativen kreisen zum großen ideologischen rundumschlag auszuholen. senseless. irgendwie. aber da ist ja direkt das thema gefunden...sport.
was mich verwirrt - und ich muss es wohl auf etwäige unkenntnis der usa schieben: du hälst diesen transatlantischen konflikt am leben, was nicht ohne generalisierung geht, nur um dann doch die amerikanische wählerschaft, zu recht, zu differenzieren? ja häh? also nord-süd gefälle und unterschiedliche wählerschaft lassen sich problemlos beiderseits vermuten und sogar finden. die von dir erwähnten diskurse sind aber so klar nicht zu verorten und verlangen mehr verlagerung: ob nun schusswaffen, der alte hut der affirmative action etc.
politics.
viel schlimmer find ich es denn nun, dass hier ein aufpolitisierter sportsflick ne 7/10 bekommt. say what? nur 3 weniger als lynch & co? sandra bullock? football? biblebelt people? 7/10? kritik an den imperiengleichen kanado-amerikansichen sportföderationen? wieso bei der offensichtlichen kritik stoppen? das spiel lässt sich bis zur kompletten pervertierung noch viel weiter treiben. gassenhauer wie "sklavenhandel" oder "cyborg" hätten eine noch weitaus höhere leserschaft eingetragen! there will be blood - man muss nur bohren!
suggestiv: da spielst du dann aber doch mehr den teufelsanwalt. wirst eh dutzende reviews, die den film (zurecht ;) ) zerschlugen, lange vor deiner sichtung gelesen haben - da fühlte sich der rächer der vermeintlich enterbten gerufen, der am ende aber irgendwo und irgendwann zwischen die fronten gerät. tragischer watchman!
denn die sorgen solltest du dir nehmen lassen. deine vermeintlichen opfer haben eine viel größere lobby, als alle "rajkos" und "anonyme" der zeitgeschichte zusammen. deswegen sind die von jeglicher romantik entfernten hasstiraden nur recht: diese positionierung muss einfach viel lauter in den äther geschriehen werden, damit sie endlich gehör erfährt.
und als fan dessen kenn ich dich doch auch? neben den leisen tönen bist du doch für größer, lauter, bunter durchaus zu haben?
"erforsche deine gefühle, vater!"
Mein lieber "Anonym": Wolltest du dir nicht endlich mal einen Nick geben? Ich stell sonst bald die Anonym-Comment-Funktion aus. ;-)
viel schlimmer find ich es denn nun, dass hier ein aufpolitisierter sportsflick ne 7/10 bekommt. say what? nur 3 weniger als lynch & co?
Klar, bin ich doch nicht nur Vertreter des Arthouse, kritischen und was-weiß-ich-Kinos, sondern zuvorderst auch Freund eskapistischer Feel Good Unterhaltung. Das geht nur irgendwie immer wieder unter bei all meinem "Aronofsky" und sonst was gelaber, was ich immer wieder abziehe :D
da fühlte sich der rächer der vermeintlich enterbten gerufen, der am ende aber irgendwo und irgendwann zwischen die fronten gerät. tragischer watchman!
Natürlich habe ich diese Besprechungen vorher gelesen, daraus mache ich ja auch in meiner eigenen Rezi überhaupt keinen Hehl. Aber noch mal: Weder will ich es allen recht machen, noch gerate ich zwischen die Fronten. Ich habe nämlich sehr wohl und eindeutig Position bezogen, nämlich gegen diese "Hasstriaden", denen ich die Berechtigung keinesfalls abspreche, die dann aber damit leben müssen, dass ich gegen sie wüte. Denn, völlig Richtig, ich bin für für größer, lauter, bunter durchaus zu haben. ;-)
PS: Meine Gefühle können wir dann übrigens gemeinsam weiter erforschen, wenn nämlich der ganze Spaß mit meiner "Precious"-Besprechung in die zweite Runde geht. So long! ;-)
Sorry, aber der Post nach mir ist einfach nur: GIGANTISCH. :)
Und so wahr.
"...dass ich gegen sie wüte."
hui hui, ja, jetzt wo du es sagst. bist nachgerade satanös aus der haut gefahren! :D
"Das ist ein kleines, unbedeutendes Feel Good Movie, nach dessen Besuch man sich gut fühlen soll, und kein Aronofsky der eine Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttern will (siehe das Suchtthema bei "RoadD")."
eine position, die für mich dennoch als selektive naivität verbleibt. die, im übrigen, eine durchaus beneidenswerte eigenschaft ist: als kritiker, der sich zu jedem käse etwas aus den fingern leiern muss, wohl existenziell - will so ein blog, zumal unter gewählter prämisse (mit tan), weiter betrieben werden.
selbsterhaltende betriebsblindheit quasi. du und ich wissen aber, dass es dutzende filme gibt, bei denen du weniger generös wärst/bist. wo dich das spiel (sic) von bullock nicht, äh, ja, wie wirds wohl gewesen sein, urgs, bezirzt? "boah, die milf hat neben der taschenbibel auch noch ne knarre im straps stecken! was eine braut!"? sonst bist du bei "nach einer wahren geschichte" weniger zurückhaltend und erkennst willentlich aktionismus und ideologische agitation. ein label "achtung, der folgende film ist politisch, will sie aber mit augenscheinlicher trivialität und belanglosigkeit blenden" erschien mir bei dir bisher unangebracht.
die dan brown nummer als guilty pleasure durchgehen lassen? geschenkt. ok.
aber dieses machwerk jetzt aus demokratischen gerechtigkeitsempfinden als unbedarften feel good movie abzutun, nur weil das gros draufhaut. herje...
die obligatorische abschließende polemik (sic again):
aber hier offenbaren ja auch seit neustem leser, dass sie pirates of the caribbean 3 zum verständnis mehrmals sehen mussten und das matrix 1 voll gar nicht nur eine abhandlung küchenphilosophischer vorstellungen junger heranwachsender sei. schlicht demokratie. ja, das wirds wohl sein. du versöhner von elitären eskapisten und konsensguckern! :)
@ Rajko:
Ich weiß. Einer meiner rhetorisch eloquentesten Kommentatoren, der allerdings auch ganz gerne mal mit diesen Qualitäten zu blenden weiß. Polemisch ist er sowieso immer. ;-) BTW: Ich würde mal gerne deine Besprechung zu dem von dir offensichtlich mit Wohlwollen aufgenommenen „Precious“ lesen. Denn: Sorry, aber wie man „Blind Side“ rassistisch finden kann, „Precious“ aber gleichzeitig nicht, will mir nicht in den Kopf. Dann lieber wie Flo, der das Rückrat hat, beiden Filmen latenten Rassismus zu unterstellen.
@ „Anonym“:
zumal unter gewählter prämisse (mit tan), weiter betrieben werden.
Bei aller Liebe zur Diskussion, aber ich kann dieses Genöle nicht mehr länger hören (auch den anderen Seitenhieb den „FDK III“-Kommentar betreffend). Dieses Blog hier war noch nie die alleinige Spielwiese für intellektuelle Großkotzerei. Dass ich mit Sicherheit bei Gelegenheit einen hermetisch-konstruierten Sprachstil kultiviere, geschenkt. Aber gut, ich habe verstanden, und lasse dir deine Polemik. Also hört her: Ich „der Versöhner von elitären Eskapisten und Konsensguckern“ heiße alle herzlich willkommen – sogar Mel Gibson Liebhaber.
wo dich das spiel (sic) von bullock nicht, äh, ja, wie wirds wohl gewesen sein, urgs, bezirzt? "boah, die milf hat neben der taschenbibel auch noch ne knarre im straps stecken! was eine braut!"?
Mein Freund, wo du doch meinen Blog so regelmäßig liest, solltest du wissen, dass ich auf Sandra Bullock immer schon ganz gerne eingeschlagen habe und für gewöhnlich zu ihren vordersten Kritikern gehöre, Strapse hin oder her. Sei dir sicher, auf meiner Milf-Liste stehen definitiv andere Namen. Kann ich ja mal demnächst eine „Kino, TV & Co“ sucht die Top 5 Milf’s drauß machen, um der neuen Ausrichtung (Boulevard, gewürzt mit einem elaborierten Sprachstil) des Blogs gerecht zu werden. BTW: Selbst Rajko, der „Blind Side“ inständig hasst, spricht von einer zumindest ansehnlichen Leistung von Bullock, obschon er das freilich nicht direkt in seiner Review eingesteht.
sonst bist du bei "nach einer wahren geschichte" weniger zurückhaltend und erkennst willentlich aktionismus und ideologische agitation.
Ich war sowieso schon ein wenig enttäuscht, dass mir hier keine meine Dauer-„Twilight“ Polemik um die Ohren haut. Weißt du was ich an „Blinde Side“ so charmant finde? Er chiffriert, codiert und allegorisiert (gibt es das Adj.?) überhaupt nichts. Er versteckt sich nicht hinter einer verschlüsselten Metapher wie z.B. „Twilight“, die nicht von Allen geknackt wird, sondern „gibt offen zu“. Wie oft fällt in dem Film der Satz, dass die Tuhoys Republikaner sind? Dass ich hier nicht mit der Ideologiekeule komme, hat mit Sicherheit auch etwas mit dieser Offenheit zu tun.
der folgende film ist politisch, will sie aber mit augenscheinlicher trivialität und belanglosigkeit blenden" erschien mir bei dir bisher unangebracht.
Das ist jetzt nicht dein Ernst, diese Überraschung. Und das nach den intensiven Debatten, die wir wegen „300“ geführt haben?! ;-)
wie eine soccermum siehst du mir eigentlich gar nicht aus?
"Dauer-„Twilight...
Er versteckt sich nicht hinter einer verschlüsselten Metapher..."
charmanter film? charmantes milieu? weil stoff und umsetzung in ehrlichkeit und direktheit deckungsgleich sind? zu der medaille gehörten dann aber auch motive und konzepte, die du stets und nimmermüd ablehnend hervorhebst. paradox. da seh ich den von dir geschätzten eastwood dann aber doch nochmal wo ganz anders. der arbeitet durchaus mit progressiven ansätzen konservative stoffe (teils kritisch) aus. bei john lee hancock ist doch schon der name programm, da kann man sich fast den blick aufs schaffen schenken. da offenbart der film sich doch schon im titel semantisch seiner zielgruppe. vorallem weil das thema brandheiss und eben nicht historisch und vergangen ist. erneut und immer wieder. erneut und immer wieder. erneut und immer wieder: heiße stoffe als feel good oder effektkino zu vermarkten (denn mehr anspruch ist selten spürbar), das schaffen wohlmöglich höchsttalentierte filmschaffende! das darf auchmal ein connaisseur des bewußten unterhaltungsfilms erkennen und nicht immer wieder lavierend auf den 50/50 joker der inhaltlichen ausrichtung verweisen. der effekt, der sich da einstellt, ist ja in den letzten wochen lesbar gemacht worden: die snobs heulen auf, wenn vermeintlichen klassikern die bloßen schauwerte aberkannt werden. da wird es auf dauer mit der gerechtigkeit schwer. es ist ein unberechenbares gewässer geworden, dieses blog. da bin ich zu verbohrt, eine lynch exegese, wissenschaftlich codierte essays und eine jetzige 7/10 von ein und dem selben autor zur deckung zu bringen. ehrlich. den spagat find ich irgendwo misslungen. oder kurz: ich les nicht die TAZ um aber eigentlich die FAZ zu lesen. nein. dafür gibts die ZEIT! :)
das erste comment find ich u.a. auch deshalb schon nicht unzutreffend, wenn es hier lavierung wittert. andererseits: deine zur schau gestellte toleranz und sanfte ruhe ist ja schon beinahe beneidenswert! wie du weisst, geht mir als choleriker sowas völlig ab. ;)
dachte i.ü. und u.a. zuerst an andere populäre filme, smith z.b., aber nun gut. denn...
Mein Freund,...
ist das signal zum rückzug. ;)
(jetzt nehm ich intellektuelle snobs wie mich auch schon selbst aufs korn und du willst nichtmal von der bühne komplimentiert werden. SPALTER! :D)
Doch dieses Blog, es vollführt keinen Spagat: Le Blog, c'est Moi! Und ich als ZEIT-Leser fühle mich gerade ganz Wohl im Zirkus des von Zeit zu Zeit wissenschaftlich codierten Boulevardesken. Und so mögen die Gewässer unberechenbar geworden sein, aber ist das nicht auch ganz spannend? Und so kann Rückzug auch keine Option sein. Immer weiter voran, ist die Devise: "Noch einmal stürmt, noch einmal!" - Wann, und das ist hier die Frage, gibt es "Blind Side" endlich auf DVD? ;-)
Anonymous, unser Addison DeWitt höchstpersönlich.
Tan, die Vorausgeschickte.
C.H., ich nehme ja nun zur kenntnis, dass du diesen höchst zynischen film, der nichts verändern will, sondern der guten alten zeit das wort redet (hier bzgl. deines aronofsky hinweises), ebenso zynisch als heititeiti nummer durchwinkst.
find dieses selektive halt höchst perfide und dämlich, und im fahrtwasser des jüngsten stumpfsinnes umso trauriger. dieser inhaltiche turn bedeutet ja auch mitnichten deinen rückzug, sondern vielmehr einen für leser wie mich (die aber immerhin seit stunde 1 dabei waren. jaja, stets account- und rückgratlos...). aber irgendwas muss ja bei der abonnenten-generierung auf der strecke bleiben. pass nur auf, dass das blog nicht am ende noch der guillotine der neuen elite zum opfer fällt.
ab die zöppe, adé und auf wiedersehen. bitte sperr doch die commentfunktion für anonyme - ich bin da ja nicht so rigide und stürm sonst doch noch mit dir mit... ;D
jetzt geh ich ne runde wunden lecken und tränen trocknen.
p.s.1: lass dir doch mal von unserem damaligen gemeinsamen studienkollegen etwas über zynismus referieren, der hat sloterdijks abhandlung seiner zeit verschlungen und ist da echt vom fach. ;)
p.s.2: tan, die verschickte. namedropping funktioniert besser, wenn mans nicht erst googlen muss...fail as usual.
Mensch, welch Melodramatik zur vorgerückten Tagesstunde. ;-) Doch gerade du als Leser der ersten Stunde solltest nicht verzagen, und nachdem die Wunden gleckt und die Tränen getrocknet, will ich dich ermutigen, nicht alle Hoffnung fahren zu lassen, denn worüber reden wir hier eigentlich? Richtig: Über einen Film, den du offensichtlich sehr hasst (was ich dir hätte vorher sagen können), und ich eben ziemlich mag (was du wohl nicht erwartet hast). Und das mich "Blind Side" irgendwie angefixxt hat, ist wohl der beste Beweis dafür, dass ich nicht gerade zum Zynismus neige, sondern wohl eher zum Idealismus (was mich gerade selbst überrascht). Und wenn ich dann an den "populären Smith-Film" ("Das Streben nach Glück", meintest du den?) denke, und einen Blick in meine Kurzbesprechung werfe, muss ich dies bestätigt sehen: Ebenfalls 7/10 Punkte. Du merkst: Ich bin und bleibe ich. ;-)
Anonymus, irgendwann...
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